Der finnische Handyhersteller
Nokia sieht sich und die Mobilfunkbranche am Scheideweg. Durch den Vormarsch von Internetfirmen in die eigenen Märkte drohe die Kostenloskultur des Internets überzugreifen und den "Wert der Mobilfunkindustrie" zu zerstören. Netzbetreiber und Gerätebauer müssten dies gemeinsam verhindern, so Nokia-Vorstandsmitglied Tero Ojanperä gegenüber der "Financial Times Deutschland" (FTD).
Der Kunde soll möglichst zahlen
Zweifel am Erfolg der
neuen Nokia-Internetplattform Ovi in Konkurrenz zu
Apple's Onlineshop iTunes sieht der Manager hingegen als weitgehend unbegründet an. "Die Herausforderung für uns ist nicht
Apple, sondern ein Handykunde, der kein Geld für mobile Inhalte ausgibt", betont Ojanperä im Interview mit dem Blatt. Dementsprechend will Nokia mit Ovi ab Juni insbesondere auch gegen den Preisverfall im Handymarkt antreten und neue Wachstumsmärkte für
mobiles Internet sowie die eigenen kostenpflichtigen Angebote erschließen.
Viele Netzbetreiber mauern - noch
Trotz allem kommt der meiste Gegenwind von Netzbetreibern, die ihr eigenes Internetgeschäft mit Klingeltönen, Spielen und Handysoftware durch Nokia's Pläne massiv bedroht sehen. Ojanperä sieht dem allerdings gelassen entgegen. "Die Welt hat sich in den vergangenen zwölf Monaten radikal verändert", meint der Nokia-Vorstand zuversichtlich. Nicht nur in Singapur, Australien oder Mexiko würden die Betreiber von Mobilfunknetzen bereits mit Nokia zusammenarbeiten und
kostenpflichtige Dienste wie "Comes with Music" vermarkten. Auch in Frankreich verkaufe Orange, Tochter von France Telecom,
Nokia's Handy-E-Mail-Dienst und verdiene Geld mit einem gekoppelten Datentarif. In Deutschland konnte sich
Nokia mit T-Mobile zudem kürzlich über einen gemeinsamen Ausbau von Ovi einigen. Jedoch waren dem
längere Querelen zwischen beiden Unternehmen vorausgegangen.
Einige Hersteller von Handysoftware sehen solche Kooperationen bislang eher kritisch. Es bestehe die Gefahr, dass einzelne Netzbetreiber bestimmte Angebote aus Ovi verbannen wollen, so der Mitbegründer des Handysoftwareanbieters Fring, Boaz Zilbermann, gegenüber der "FTD". Sein Unternehmen vermarktet
Handy-Software für Voice over IP und sieht den Vertrieb über Nokia's Internetplattform daher gefährdet. So ging beispielsweise
T-Mobile in der Vergangenheit
massiv gegen Hersteller von VoIP-Anwendungen vor und
sperrte etwa auch die Verwendung der Telefonsoftware Skype in seinem Netz.