Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland verbringen inzwischen genauso viel Zeit im Internet wie vor dem Fernseher. Im Durchschnitt sind die 12- bis 24-Jährigen jeweils etwa zwei Stunden am Tag im Netz und vor dem TV-Gerät.
Soziale Netzwerke unverzichtbar
Das ergab eine am Mittwoch in Düsseldorf vorgestellte repräsentative Studie im Auftrag der nordrhein-westfälischen Landesmedienanstalt (LfM). Die am häufigsten genutzten Angebote seien YouTube und Wikipedia. Besonders häufig würden auch sogenannte
Social Web-Angebote wie SchülerVZ und StudiVZ genutzt.
Die vom Hamburger Hans-Bredow-Institut und der Universität Salzburg erstellte Studie kommt zu dem Schluss, dass das
Internet für das Beziehungsmanagement junger Menschen wesentlich geworden ist. Wer nicht am "Social Web" teilnehme, sei inzwischen isoliert - während früher die umgekehrte Befürchtung galt. Die Online-Netzwerke seien dabei meist größer als der Freundeskreis im engeren Sinn.
Mehr Transparenz und besserer Nutzerschutz
Allerdings kollidiere diese Bedeutung mit wesentlichen Aspekten des Daten- und Nutzerschutzes sowie der Transparenz. Das "Web 2.0" stehe auch für besondere Risiken wie problematische Online-Bekanntschaften und die Preisgabe privater Daten, "Cyber-Mobbing" und Hassgruppen. Die meisten Befragten der Studie hätten bereits in irgendeiner Form Erfahrungen mit Online-Mobbing gemacht – entweder in Bezug auf die eigene Person oder auch auf Mitschüler. Zumeist bezieht sich diese Erfahrung auf "peinliche" oder "blöde" Fotos, einige wenige Schüler berichten auch von Schüler- oder Lehrerhassgruppen auf ihrer Netzwerkplattform.
"Anbieter und Nutzer müssen sich verstärkt mit der Frage befassen, wie ein respekt- und verantwortungsvoller Umgang im und mit dem Social Web gefördert werden kann", so Dr. Jürgen Brautmeier, Stellvertreter des LfM-Direktors. "Auch Eltern und Schule kommt eine hohe Bedeutung bei der Stärkung des Bewusstseins von Chancen und Risiken zu."
Michael Posdziech
/ Mit Material der dpa