Die weltweite Konjunkturkrise setzt Europas größtem Softwarekonzern SAP schwer zu. Der Gewinn brach im ersten Quartal um 16 Prozent auf 204 Millionen Euro ein, wie das Unternehmen am Mittwoch in Walldorf mitteilte. Co-Chef Leo Apotheker sagte, der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware werde seinen Sparkurs fortsetzen. Der DAX-Konzern hatte Anfang des Jahres
zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte einen Stellenabbau angekündigt. Weltweit seien bereits 2.200 Jobs gestrichen worden, sagte Apotheker dem Fernsehsender BBC. Etwa 60 davon fielen in Deutschland weg, wie aus der SAP-Mitteilung hervorgeht.
Keine Prognose für 2009
Eine konkrete Prognose für 2009 gab Apotheker nicht. "Es ist ein schwieriges Jahr", sagte er dem Fernsehsender n.tv. "Die Rezession ist da, sie beißt." Im ersten Quartal schlugen Kosten für den Stellenabbau in Höhe von 160 Millionen Euro zu Buche. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) sackte um acht Prozent auf 332 Millionen Euro ab. Der Umsatz schrumpfte um drei Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Die Softwareerlöse brachen um ein Drittel auf 418 Millionen Euro ein. Der Umsatz mit Software und softwarebezogenen Dienstleistungen, der ein wichtiger Indikator für die Geschäftsentwicklung ist, stagnierte bei 1,7 Milliarden Euro.
Ein Sprecherin sagte, es habe bislang keine betriebsbedingten Kündigungen gegeben. Der Jobabbau sei über natürliche Fluktuation und Abfindungen geregelt worden. Bis zum Jahresende soll die Zahl der Beschäftigten weltweit um 3.000 auf 48.500 sinken, in Deutschland sollen rund 600 der 15.000 Arbeitsplätze wegfallen.
Kündigungen nicht ausgeschlossen
Apotheker, der nach dem
Ausscheiden des langjährigen Vorstandschefs Henning Kagermann alleine an der Spitze des Softwarenkonzerns steht, hatte im Januar betriebsbedingte Kündigungen ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Rund 350 Millionen Euro will der Softwarekonzern mit dem Stellenabbau von 2010 an jährlich einsparen. Kosten wird das Paket SAP 200 bis 300 Millionen Euro.
Nach derzeitigem Stand sei über den geplanten Stellenabbau hinaus keine weiterer Arbeitsplatzabbau nötig, sagte Apotheker BBC. Der im vergangenen Herbst gestartete Sparkurs werde aber fortgesetzt. "Wir wollen unsere Kosten weiterhin gut im Griff behalten", sagte Apotheker n.tv. Durch Maßnahmen wie das Streichen von Dienstreisen und den Abbau von Hierarchie-Ebenen sollen 200 Millionen Euro gespart werden. In diesem Jahr wird es auch keine Gehaltserhöhungen für die Beschäftigten geben.