Früher legten sogenannte Cyberkriminelle fremde Rechner durch Computerviren lahm,
heute räumen die Datendiebe ganze Bankkonten leer. Die Leidenschaft des Informatikers Thorsten Holz gehört der Verfolgung dieser Betrüger kreuz und quer durch das
Internet. Im vergangenen Jahr entdeckte der 27-jährige Doktorand der Universität Mannheim zusammen mit Kollegen riesige Sicherheitslücken im Internet und fand Hunderttausende hochsensibler, aber gestohlener Daten: Kreditkartennummern, Bankverbindungen, Zugangsdaten und Passwörter zu Online-Konten von 170.000 ahnungslosen Opfern. Geschätzter Wert des virtuellen Diebesgutes: Mehr als zehn Millionen Dollar (7,6 Millionen Euro) auf dem weltweiten Schwarzmarkt. "Das ist nur die Spitze des Eisbergs", glaubt Holz.
"Cracker" technologisch voraus
Die Jagd nach den Datendieben ist für den Diplom-Informatiker sowohl professionelle Herausforderung, als auch faszinierendes Spiel: "Beim Entwickeln neuer Technologien sind uns die meisten Cracker einen Schritt voraus, und darauf müssen wir reagieren", sagt Holz. "Um mein System abzusichern, muss ich auch wie ein Angreifer denken." Die "Hacker" sind die Guten, die "Cracker" die
Cyberkriminellen. Sie starten Attacken auf Rechner weltweit zu Weihnachten, am Valentinstag oder auch jüngst zur
Amtseinführung des US-Präsidenten Barack Obama.
Cyberkriminelle werden zunehmend professioneller
Die "Cracker-Szene" zeichnet sich heute durch eine zunehmende Professionalisierung aus. "Es geht nicht mehr nur um Spaß, sondern um viel Geld", erklärt Holz. Die Ergebnisse der sieben Monate dauernden Forschungen zum Datenklau waren Grundlage einer Studie. Zwölf Rechner am Lehrstuhl für Praktische Informatik 1 in Mannheim sind Tag und Nacht in Betrieb, um die Spur der Internetbetrüger aufzunehmen. Die PCs des Lehrstuhls locken die Kriminellen ungehindert an. Sie sind ausgerüstet mit rein gar nichts: kein
Virenschutz, kein Spamfilter, keine
Firewall zur Abwehr. "Wir gaukeln den dümmsten Internetnutzer vor, den es gibt." Der junge Informatiker spricht schnell, wenn es um sein Spezialgebiet geht.