Zum Tag des geistigen Eigentums am 24. April fordert der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) eine gesellschaftliche Neubewertung von Produktpiraterie. Ziel müsse sein, mit der Unterstützung der Politik einen breiten Konsens in Deutschland zu finden.
Jobs und Kreativität gefährdet
"Wer raubkopiert und Waren fälscht, schädigt nicht nur Künstler und Unternehmen", sagte BITKOM-Präsidiumsmitglied Volker Smid. "Produktpiraten und Raubkopierer bewirken, dass sich Kreativität langfristig nicht mehr lohnt, und bedrohen so Arbeitsplätze und kulturelle Vielfalt." Vor diesem Hintergrund schließt sich der Verband der
Kritik der GVU (Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen) am aktuellen Entwurf des Opferrechtsreformgesetzes an, der künftig keine Nebenklage der Rechteinhaber mehr vorsieht. "Vor allem in schweren Fällen von Piraterie hilft es, wenn sich die betroffenen Rechteinhaber dem Prozess anschließen und so die Staatsanwaltschaft mit ihrer Fachkenntnis unterstützen können", so Smid.
Zu seinen Appell zum Schutz des geistigen Eigentums informiert der BITKOM über die Folgen von Raubkopien in verschiedenen Entertainmentbranchen. Bundesweit ermittelte die Polizei laut der zurzeit aktuellsten Kriminalstatistik zum Jahr 2007 in mehr als 32.000 Fällen wegen Urheber- und Markenrechts- sowie Patentverletzungen, was einer Steigerung um über 50 Prozent zum Vorjahr entspricht.
Jede vierte Software illegal
Der Softwarebranche entsteht laut BITKOM der größte Schaden. In Deutschland werde etwa jedes vierte Computerprogramm (27 Prozent) ohne gültige Lizenz oder als Raubkopie eingesetzt. Insbesondere die
private Software-Piraterie, beispielsweise bei Computerspielen, sei mit 55 Prozent 2007 sprunghaft angestiegen. Den Anbietern sei dabei ein jährlicher Schaden von 1,3 Milliarden Euro entstanden. Wäre die Piraterie-Quote nur zehn Prozentpunkte niedriger, könnte es einer Studie zufolge über 12.000 Jobs zusätzlich geben.
Der Filmbranche entstehe durch Piraterie ebenfalls beträchtliche Verluste. Über die Hälfte der Filme, die im ersten Halbjahr 2008 in deutschen Kinos starteten, wären illegal im
Internet verfügbar gewesen. Eine Studie der Universität Weimar beziffert den Schaden auf jährlich rund 200 Millionen Euro. Nach Angaben des Verbandes könnte die Anzahl der Kinobesuche um bis zu 13 Prozent steigen, wenn es keine illegalen Kopien gäbe. Außerdem könnten der Studie zufolge bis zu elf Prozent mehr Filme auf DVD verliehen und 15 Prozent mehr verkauft werden.
Leichte Besserung im Musikbereich
In der Musikindustrie sei hingegen ein Fortschritt erkennbar. Während nach Branchenangaben vor zwei Jahren noch zehn illegale Downloads auf einen legalen kamen, waren es im letzten Jahr nur noch acht. Auch
dank der sinkenden Preise sei der deutsche Markt um ein Drittel auf 80 Millionen Euro gewachsen. Mittlerweile jeder vierte Internetnutzer lade sich Sings herunter oder bestelle online CDs und DVDs.
Zunehmend im Visier der Piraten seien zudem Geräte und Zubehörteile. Der Zoll habe im Jahr 2008 gefälschte Computer im Wert von fast sechs Millionen Euro sichergestellt und damit 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Außerdem beschlagnahmten die Beamten nachgemachte Elektrogeräte im Wert von 61 Millionen Euro. Das sei ebenfalls eine Steigerung um die Hälfte.