Mit einer überraschenden Gewinnwarnung hat die
Deutsche Telekom für einen deutlichen Kursverlust der eigenen Aktie gesorgt. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) werde nach neuen Berechnungen um zwei bis vier Prozent geringer ausfallen als 2008, teilte der Konzern am Dienstag in Bonn mit. Bisher war man bei der Telekom davon ausgegangen, die Finanzzahlen aus 2008 in diesem Jahr erreichen zu können. 2008 lag das EBITDA bei 19,5 Milliarden Euro.
Schwierigkeiten im Ausland
Schwierigkeiten bereitet der Telekom nach eigenen Angaben in erster Linie das Auslandsgeschäft - insbesondere in den USA, Großbritannien und Polen. In den USA und in Großbritannien sei eine starke Konjunkturabkühlung und ein verschärfter Wettbewerb zu beobachten. Die Weltwirtschaftskrise mache sich unter anderem durch sinkende
Roaming-Umsätze in Folge abnehmender Reisetätigkeiten bemerkbar. Negativ auf Umsatz und bereinigtes EBITDA wirkten sich zudem Wechselkursveränderungen der Inlandswährungen in Polen und Großbritannien aus. Der polnische Zloty habe beispielsweise verglichen mit dem Vorjahr rund 26 Prozent gegenüber dem Euro an Wert verloren. Im ersten Quartal wurde im europäischen Mobilfunkgeschäft ein Umsatzrückgang von 0,4 Milliarden Euro beobachtet. Davon entfielen auf Wechselkurseffekte rund 0,3 Milliarden Euro.
Als Gegenmaßnahmen hat die Telekom unter anderem eine strikte Kostenkontrolle bei T-Mobile UK ausgerufen. Sie betrifft sowohl Verwaltung als auch Werbung und Technik. In Polen wird angestrebt, die Kosten für die Neukundengewinnung und die Kundenbindung zu reduzieren. Auch sollen Werbe- und Personalkosten nach unten geschraubt werden. Um in den USA den Wettbewerbsposition zu stärken, plant die Telekom hier mehr 3G-fähige Endgeräte anzubieten. Darüber hinaus treibe man den Ausbau eines eigenen 2G-Netzes für T-Mobile USA voran, um weniger Roaming-Gebühren an Konkurrenten zahlen zu müssen. Zudem wurden in den USA Lohnsteigerungen bis auf Weiteres ausgesetzt, bei Marketing- und Reisekosten wird eine deutliche Absenkung angestrebt.
Insgesamt wurden in den ersten drei Monaten 15,9 Milliarden Euro eingenommen. Das bereinigte EBITDA lag bei 4,8 Milliarden Euro. In Deutschland habe sich das Geschäft sowohl im Festnetz als auch im
Mobilfunk leicht über den Erwartungen entwickelt. T-Home habe den höchsten Marktanteil im DSL-Neukundengeschäft seit 2005 erreicht (netto 390.000 neue Kunden) und T-Mobile Deutschland Umsatz und Ergebnis weiter stabilisieren können. Zudem habe die Geschäftskundensparte T-Systems das eigene Ergebnis gesteigert.
Börse reagiert geschockt
An der Börse wurde die Telekom-Gewinnwarnung mit einem deutlichen Kursverlust der Telekom-Aktie registriert. Das Papier rutschte zeitweilig um mehr als zehn Prozent auf 8,66 Euro in den Keller, erholte sich dann aber wieder auf knapp neun Euro. Am Vortag war eine Telekom-Aktie noch 9,72 Euro wert. Finanzvorstand
Timotheus Höttges sagte: "Wir stehen gerade in schwierigen Zeiten für eine schnelle, umfassende und klare Kommunikation. Daher haben wir uns jetzt entschieden, die Aktionäre frühestmöglich zu informieren."