Der erfolgsverwöhnte
Internet-Konzern Google hat der Wirtschaftskrise zum Jahresauftakt erneut mit einem Gewinnsprung getrotzt. Das Wachstum des Suchmaschinen-Riesen verlangsamte sich allerdings angesichts der Werbeflaute. Google spüre definitiv die Folgen der Rezession, sagte Konzernchef Eric Schmidt am Donnerstagabend. "Das aktuelle wirtschaftliche Umfeld bleibt hart."
Konzernumsatz fällt erstmals
Der Überschuss kletterte im ersten Quartal zum Vorjahr um neun Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro). Der Umsatz wuchs auch dank eines guten Deutschlandgeschäfts um sechs Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar. "Deutschland war einer der relativ freundlichen Märkte", sagte Finanzchef Patrick Pichette. Erstmals seit Googles Börsengang fiel der Konzernumsatz aber im Vergleich zum Vorquartal, er sank um mehr als drei Prozent.
In der Krise tritt auch Google auf die Kostenbremse: Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte
sank die Mitarbeiterzahl von Google leicht auf rund 20.160 Beschäftigte.
Beim wöchentlichen Treffen, dem "Townhall Meeting", stellt das Unternehmen neue Googler vor. Die Zahl der Neueinstellungen ist aber mittlerweile überschaubar: "Früher waren es 50, 100 oder mehr - heute sind es nur noch ein oder zwei", sagt eine Programmiererin. Im März gab es beim einstigen Jobwunder sogar Entlassungen: In Verkauf und Marketing fielen 200 Jobs weg.
Google hatte zudem kleinere Geschäfte etwa mit Zeitungsanzeigen in der Werbeflaute eingestellt. Mit Blick auf die Rezession sagte Schmidt zu den Geschäftsaussichten: "Wir bewegen uns weiter in unbekanntem Gelände." Mit dem Ergebnis übertraf der Suchmaschinen-Riese die Erwartungen der Analysten. Die Aktie legte nachbörslich deutlich zu. Seit Anfang März gewann sie mehr als ein Drittel auf zuletzt knapp 390 Dollar.
YouTube zeigt Serien und Spielfilme
Mit den Quartalszahlen gab Google bekannt, dass sein
Videoportal YouTube mit mehreren Hollywood-Studios Verträge abgeschlossen hat und damit zumindest in den USA vornehmlich ältere TV-Serien und Filme zeigen darf. Dafür richtet YouTube extra eine Rubrik ein, um die professionell gemachten Inhalte von den Nutzer-Schnipseln zu trennen und so ein attraktives Werbeumfeld zu schaffen. Langfristig seien auch Bezahlmodelle denkbar, sagte Google-Chef Schmidt. Bislang verliert der Konzern mit seinem Videoportal Geld, vor allem wegen der hohen Serverkosten. Credit Suisse schätzt, dass 2008 ein Minus von 470 Millionen Dollar auflief.