Die Auswirkungen des Internets auf den weltweiten Klimawandel werden immer offensichtlicher. Nachdem zum Anfang des Jahres bereits
Google als bedeutender CO2-Emittierer in die Schlagzeilen geriet, beschäftigt sich nun eine neue
Studie von Sicherheitsspezialist McAfee und dem Forschungsinstitut ICF mit dem Thema Spam. Ergebnis: Spam nervt nicht nur - etwa als
Blog-Spam oder
Phishing - und
kostet mitunter viel Geld, sondern schädigt auch massiv die Umwelt und das Klima.
Mehrere Millionen Autos täglich
"Während sich die Welt dem wachsenden Problem des Klimawandels gegenüber sieht, unterstreicht diese Studie, dass Spam einen immensenen finanziellen, persönlichen und umweltbedingten Einfluss auf Unternehmen und Individuen ausübt", sagt McAfee-Vize-Präsident Jeff Green. Das Bekämpfen von Spam an der Wurzel und die Investition in aktuelle Filtersysteme helfe nicht nur Zeit und Geld zu sparen, sondern auch nachhaltig den CO2-Ausstoß zu vermindern. Als Beispiel führt McAfee die Abschaltung des McColo-Netzwerks im November 2008 an, welches für rund 70 Prozent des weltweiten Spamaufkommens verantwortlich war. Allein diese Maßnahme sparte soviel Energie, wie 2,2 Millionen Autos an einem Tag verbrauchen. In
Unternehmen sind beispielsweise heute 91 Prozent aller Mails unerwünschte Post. Nach Schätzungen von
BITKOM sind ungefähr 80 Prozent aller Mails als Spam einzustufen,
Panda Security sprach in der Vergangenheit sogar von 95 Prozent. Somit lässt sich erahnen, wieviel Ressourcen die weltweit über 62 Billionen Spam-Mails im Jahr verschlingen.
Spam nervt nicht nur, sondern schädigt auch das Klima. Bild: Delater/Pixelio
Zur Ermittlung der CO2-Belastung untersuchte die McAfee-Studie die notwendige Energiemenge, um Spam in elf Ländern, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Australien, Brasilien, Kanada, China, Indien, Mexiko und die USA, zu erstellen, zu speichern, anzuschauen und zu filtern. Der dabei entstehende CO2-Austoß - vornehmlich durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe - diente als Grundlage für die Berechnung der klimaschädigenden Wirkung von Spam. Aus allen Ergebnissen wurde ein Durchschnittswert gebildet, der den globalen CO2-Fußabdruck des Spams ausmacht.
Der riesige CO2-Fußabdruck des Spams
Demnach verursacht eine einzige Spam-Mail durchschnittlich Treibhausgas-Emissionen von 0,3 Gramm CO2. Der Spam eines ganzen Jahres entspricht damit der Fahrt mit einem Auto um die Erde - jedoch 1,6 Millionen Mal. Rund 80 Prozent der für Spam verbrauchten Energie wird dafür aufgewendet, um Spam-Mails zu löschen oder nach erwünschten Mails zu suchen. Lediglich 16 Prozent hingegen entfallen auf automatische Spam-Filter. Daher spart das Filtern von Spam laut McAfee ungefähr 135 Terawattstunden (TWh), wobei eine Terawattstunde einer Milliarde Kilowattstunden (kWh) entspricht. Dies ist etwa der Energieverbrauch von 13 Millionen Autos. Zum Vergleich: Mit der Energiemenge einer einzigen Kilowattstunde ist es möglich, rund fünf Stunden am Computer zu arbeiten oder gar sieben Stunden fernzusehen. Nach Aussagen der Studie spart ein aktueller Spam-Filter damit täglich rund 75 Prozent der sonst nötigen Energie. Dies seien etwa 25 TWh im Jahr oder ungefähr 2,3 Millionen Autos.
Der ermittelte Energieverbrauch ist jedoch nicht in jedem Land gleich hoch. So stehen hier Länder mit einer hohen Dichte an
Internet-Anschlüssen und Online-Nutzern an der Spitze - etwa die USA und Indien. Allein die Vereinigten Staaten verursachen daher das 38-fache der Emmissionen von Spanien, das die niedrigsten Werte bei Spam und Energieverbrauch aufweist. Auch Deutschland liegt mit Australien, Frankreich, und Mexiko im unteren Drittel. Die restlichen Staaten gleichen sich in ihrem Verbrauch weitgehend und liegen jeweils rund zehn Prozent über den Werten der letzten Fünf.