Donnerstag, 16.04.2009 15:01

Neonazis nutzen Facebook für Propaganda

aus dem Bereich Sonstiges
Adolf Hitler hat viele Fans - zumindest im Online-Netzwerk Facebook. Gibt man dort den Namen des Diktators in die Suchmaske ein, kommen zwölf Seiten mit Treffern. Das entspricht mehr als 100 Gruppen und Fan-Profilen, die den Begriff "Adolf Hitler" im Namen tragen. Nur wenige dieser Seiten betrachten den Nationalsozialismus kritisch. In einem Großteil der Einträge wird Hitler zur Kultfigur erhoben. In dieser Woche hat das US-Unternehmen nach der Kritik von Bloggern bereits einige Seiten gesperrt - doch bei weitem nicht alle. Jugendschützer wollen sich die neonazistischen Einträge jetzt genauer ansehen.

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Verstoß gegen deutsches Recht

Nach wie vor finden sich Nazi-Glorifizierung und unverhohlener Antisemitismus auf Facebook. Es gibt Benutzer, die sich unter Namen wie "Josef H Goebbel S" anmelden, ein Bild von Hitler oder ein Hakenkreuz-Symbol als Profilfoto hochgeladen haben oder mit Tattoos mit eindeutig rechtsradikaler Symbolik posieren. Sie schließen sich zu Gruppen zusammen, die sich "Antisemiten und Holocaust-Leugner" nennen und kommentieren Fotos aus der Zeit des Nationalsozialismus mit "Heil Hitler". Viele der Seiten verstoßen gegen geltendes deutsches Recht und sind damit auch gemäß der Nutzungsbedingungen von Facebook verboten.

Dass Neonazis das Internet nutzen, um Jugendliche für ihre verfassungsfeindliche Ideologie zu ködern, ist kein neues Phänomen. Bislang standen aber vor allem Online-Angebote wie die deutschsprachigen Netzwerke StudiVZ und SchülerVZ und das Videoportal YouTube in der Kritik, von rechtsradikalen Gruppierungen für Propagandazwecke missbraucht zu werden. Weil das US-amerikanische Netzwerk Facebook seine Dienste erst seit 2008 auch auf Deutsch anbietet, sind die rechtsradikalen Umtriebe auf diesem Portal bislang weitgehend unentdeckt geblieben.

Wenige Gruppen aus Deutschland

Facebook Logo
Ein auf der Internet-Seite boocompany.com veröffentlichter offener Brief der anonymen Bloggerin "Lanu" listet im Anhang rund 200 Beispiele von Facebook-Seiten mit rechtsradikalen und antisemitischen Aussagen und Symbolen auf. Bei den meisten Einträgen handelt es sich um offene Gruppen, denen die Facebook-User ohne weiteres beitreten können. Soweit dies anhand der Benutzerprofile nachvollziehbar ist, stammen die wenigsten Gruppengründer aus Deutschland. Auch die meisten Mitglieder, die einer solchen Gruppe beigetreten sind und ein Heimatland angegeben haben, kommen aus dem Ausland, vor allem aus den USA, Italien, Südamerika, Indonesien, der Türkei oder aus arabischen Ländern. Es gibt aber auch gefälschte ("fake") Profile oder solche von fiktiven oder historischen Personen - darunter Diktatoren und Massenmörder.
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    Zuletzt kommentiert von Wittenberge am 16.04.2009 um 20:02 Uhr
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