Während für Amazon das
Geschäft mit MP3-Downloads in Deutschland vor Ostern reibungslos angelaufen ist, sorgte der Büchermarkt des Großhändlers in den letzten Tagen weltweit für einigen Ärger bei Kunden und Autoren. Aufgrund einer internen Fehlfunktion verloren tausende Bücher global ihren Verkaufsrang und waren nicht über die Suchfunktion auffindbar. Insbesondere Schwulen- und Lesbenliteratur war offenbar davon betroffen, was Amazon auch den Vorwurf der Zensur einbrachte, berichtet die "New York Times".
Ein Fehler - keine Zensur
Mittels Twitter und in diversen Foren hatten zahlreiche Nutzer im
Internet über die auffällig hohe Zahl an verschwundener Literatur zu Homosexualität diskutiert und zu möglichen Ursachen spekuliert. Amazon wies alle in diesem Zusammenhang aufgekommenen Vorwürfe einer Diskriminierung von Schwulen und Lesben hingegen strikt zurück und deutete auf die weitreichenden Ausmaße des Fehlers.
Über 50.000 Bücher der "Erwachsenen"-Literatur betroffen
In einer Stellungnahme teilte das Unternehmen am Montag dazu mit, dass 57.310 Bücher aus mehreren Bereichen betroffen gewesen seien, darunter auch Literatur zu Gesundheit, Sexualmedizin und Erotik. Die genaueren Hintergründe der Probleme kommentierte Amazon jedoch nicht. Lediglich die Behauptung eines Hackers, er wäre für die fehlenden Bücher auf der Internetseite verantwortlich, wurde dementiert.
Laut "New York Times" hatte Amazon allerdings im Vorfeld versucht, die Sichtbarkeit für sogenannte "Erwachsenen"-Literatur in den Such- und Bestsellerlisten einzuschränken. Daher bleibt zu vermuten, dass etwa eine fehlerhafte Filterfunktion für die Probleme verantwortlich sein könnte.
Zahlreiche Autoren der betroffenen Bücher mit homosexuellen Themen protestierten unterdessen gegen dieses Vorgehen und bezweifelten die Aussagen des Konzerns. Die Wörter schwul und lesbisch seien durch Amazon ähnlich gewertet worden wie das Wort Porno. Dies sei mit Sicherheit keine Panne.