Lange hat die Musikindustrie von Apple eine Preisreform im
iTunes-Store gefordert und wurde schließlich auch erhört. Seit dieser Woche ist der 99-Cent-Einheitspreis für Songs des Weltmarktführers auf ein dreistufiges Modell umgestellt. Aber die Konkurrenz schläft nicht und reagiert prompt.
Tracks für 32 Cent
Bei iTunes kosten Einzeltitel nun je nach Beliebtheit 1,29 Euro, 99 Cent oder 69 Cent. Im US-Store waren zur Umstellung 46 der 100 Bestseller mit 1,29 Dollar (es bleibt bei der 1:1-Umrechnung im Hause Apple) ausgepreist. Zwar hatten die Plattenlabels verlauten lassen, dass für jeden teureren Song zehn andere auf 69 US-Cent reduziert würden, doch die vergünstigte Ware versteckt sich zumeist in den Tiefen des Sortiments.
Die aktuelle Nummer Zwei am weltweiten Online-Musikmarkt
Amazon MP3 reagierte prompt auf das neue Modell und senkt in den USA sowie Großbritannien die Preise. So werden im Vereinigten Königreich für die Top-100-Tracks nicht mehr 59 Pence (65 Cent) sondern nur noch 29 Pence oder umgerechnet 32 Cent pro Song fällig. Damit will man iTunes vor allem bei den Charts-Titeln angreifen. In Amerika wurden Preise zwischen 79 US-Cent und 1,29 Dollar, also maximal 98 Euro-Cent angekündigt. In Deutschland bietet Amazon mit 77 bis 99 Euro-Cent pro Track schon ein günstiges und flexibles Modell an.
Preiskampf eröffnet
Der in Deutschland weniger bekannte internationale Musik-Shop eMusic gab bekannt, dass man niemals mehr als 99 Euro-Cent pro Einzeldownload verlangen werde. Und die US-Supermarktkette Walmart will sich mal wieder als Preisbrecher beweisen und mit Preisstufen von 64, 94 US-Cent und 1,24 Dollar (bis zu 94 Euro-Cent) die Schnäppchen an den Kunden bringen.
Ausschnitt aus den Top-100-Titeln bei iTunes: Der Großteil kostet 99 Cent, ein Titel nur 69 Cent.
Screenshot: onlinekosten.de
Ein Blick am 8. April in die Top-100-Liste von iTunes-Deutschland offenbart genau einen Titel für 69 Cent ("Shake it" von Metro Station), der Großteil kostet unverändert 99 Cent. Bei Amazon MP3 liegen die Top-Titel zwischen 97 und 99 Cent, einige wie die aktuelle Single "Please, Please, Please" von Sasha gibt es allerdings auch schon für 91 Cent.
Gelassenheit bei Musicload?
Während MP3-Shops wie die der beiden Elektromarktketten
Saturn und
Media Markt bereits seit längerem die 99-Cent-Einheitsstrategie fahren, zeigt ein Blick auf die Nummer Zwei am deutschen Download-Markt, dass man auch scheinbar gelassen auf neue Anbieter und niedrige Preise schauen kann. Die
Telekom-Tochter
Musicload macht noch keine Anstalten, an ihrer Preisstruktur etwas zu ändern und bietet die Top-Hits weiterhin fast ausschließlich für 1,29 Euro an - einzelne Songs daraus, wie die aktuelle Nummer Eins "Poker Face" von Lady GaGa, sogar für 1,79 Euro.
Trotzdem dürfte man den Preiskampf auch in Deutschland endgültig als eröffnet ansehen.