Einmal in der New Yorker Carnegie Hall zu spielen, davon können viele Musiker nur träumen. Für 96 Künstler aus aller Welt geht der Traum jetzt auf eine sehr ungewöhnliche Weise in Erfüllung: Sie haben sich um einen
Platz im YouTube Sinfonieorchester beworben - nicht leibhaftig mit Geigenkasten oder Flötenkoffer, sondern über ein Video im
Internet. Am Mittwoch (15. April) feiert das erste online gegründete Orchester der Welt in der berühmten New Yorker Halle seine Uraufführung. Als einziger Deutscher ist dort der Düsseldorfer Musikschullehrer und Geiger Maurice Maurer (29) dabei.
96 Musiker aus 30 Ländern
"Es ist eine Mischung aus Gipfelkonferenz, Pfadfindertreffen und Musikerlebnis", sagt Michael Tilson Thomas, der Direktor der San Francisco Symphony und kreative Kopf des Projekts. "Erstmals haben Musiker aus so vielen verschiedenen Ländern die Chance, sich gegenseitig online zu entdecken und dann wirklich zusammenzufinden und Musik miteinander zu machen."
Die Internet-Videoplattform YouTube hat für das ambitionierte Vorhaben 40 hochkarätige Partner aus der internationalen Musikszene gewonnen. Star-Cellist Yo-Yo Ma und der chinesische Pianist Lang Lang unterstützen das Konzert mit Videoauftritten. Der chinesische Komponist Tan Dun, der für seine Filmmusik zu Ang Lees Meisterwerk "Tiger and Dragon" einen Oscar bekam, hat für die Premiere eigens die Internet-Sinfonie Nr. 1 "Eroica" geschrieben.
Berühmte Orchester halfen bei der Vorbereitung

Das YouTube Sinfonieorchester startet am 15. April.
Screenshot: onlinekosten.de.
Und zahlreiche berühmte Orchester wie das London Symphony Orchestra, das Amsterdamer Royal Concertgebouw Orchestra und die Berliner Philharmoniker halfen bei der Vorbereitung und Auswahl. "Das Engagement und das Können der Bewerber hat uns wieder einmal gezeigt, wie sehr sich junge Menschen für klassische Musik begeistern können", sagt der Solocellist und Medienvorstand der Berliner, Olaf Maninger.
Für den aus Castrop-Rauxel im Ruhrgebiet stammenden Maurice Maurer, der schon mit fünf Jahren Geige lernte, war die Bewerbung eine spannende Herausforderung. "Eigentlich bin ich ganz zufällig auf die Seite gestoßen", erzählte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Ich habe mir gedacht, das klingt interessant: in der New Yorker Carnegie Hall, wo schon so viele tolle Musiker gespielt haben - da musst du unbedingt mitmachen."