Die geplante milliardenschwere Übernahme von Sun Microsystems durch IBM steht möglicherweise vor dem Aus. Die Unternehmen hätten sich in den Gesprächen unter anderem nicht über einen Preis einigen können, berichteten übereinstimmend die "New York Times" und das "Wall Street Journal".
Kaufangebot zurückgezogen
Der Verwaltungsrat von Sun habe unter Leitung von Sun-Mitgründer Scott McNealy die Gespräche über die Offerte in Höhe von sieben Milliarden Dollar am Wochenende abgebrochen, schrieb das "Wall Street Journal" unter Berufung auf eine mit dem Fall vertraute Person. Daraufhin habe IBM sein Kaufangebot am Sonntag zurückgezogen. Noch seien allerdings die Berater weiterhin in Kontakt und die "Situation im Fluss".
Die seit Wochen von
IBM geprüfte Übernahme des Server-Herstellers und Java-Entwicklers Sun Microsystems für einen Preis von fast sieben Milliarden Dollar wäre die größte Akquisition in der Geschichte des Unternehmens. Zuletzt war ein Kaufpreis zwischen 9,10 und 9,40 Dollar pro Aktie im Gespräch. Ob ein als zu niedrig eingeschätzter Kaufpreis tatsächlich den Ausschlag für den Abbruch der Gespräche gegeben hat, sei allerdings nicht sicher, hieß es. Sun hätte auch eine Kauf-Garantie gefehlt für den Fall, dass die Übernahme die Wettbewerbshüter auf den Plan ruft. Bei möglichen Problemen hätten IBM zu viele Optionen offen gestanden, von dem Kauf zurückzutreten.
Aktie von Sun verliert
Die Sun-Aktie stürzte in einer ersten Reaktion drastisch ab. Zum Handelsauftakt in New York verlor sie am Montag rund ein Viertel ihres Werts auf etwa 6,50 Dollar. Vor den Berichten über die Absage von IBM war Sun an der Börse etwa sechs Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro) wert. Der Kurs war seit den ersten Gerüchten um Verkaufsabsichten Mitte März auf Höhenflug gegangen und hatte zeitweise bis zu 80 Prozent zugelegt. Beide Unternehmen lehnten bisher jede Stellungnahme zu den Verhandlungen ab. In Frankfurt verlor die Aktie von Sun am Montagvormittag ein Viertel ihres Wertes und wurde mit 4,70 Euro gehandelt.
Bei einem Platzen der Übernahme geriete Sun weiter unter Druck. Der Verwaltungsrat müsste das Nein zur Offerte seinen Aktionären erklären und womöglich neu auf Käufersuche gehen. In der Branche gilt der US-Netzwerkausrüster Cisco als möglicher Interessent.
Michael Posdziech
/ dpa