Mitte März wurde
Markus Tellenbach zum neuen Aufsichtsratvorsitzenden des Pay-TV Senders gewählt. Bereits seit Mitte 2008 gehört er dem Aufsichtsrat des Münchener Senders an. Doch kaum im neuen Amt droht ihm bereits der erste Ärger durch Aktionsärsschützer. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) prüft rechtliche Schritte gegen Tellenbach und den Premiere-Aufsichtsrat in Zusammenhang mit dem
Skandal um falsche Angaben zur Höhe der Abonnentenzahlen von Premiere.
Kunden, die keine waren
Im vergangenen Jahr hatte der neue Premiere-Vorstandschef Mark Williams die Abonnentenzahl um rund eine Million Karteileichen korrigieren müssen und für Premiere eine reale Abonnentenzahl von rund 2,4 Millionen ermittelt. Bereits auf der außerordentlichen Hauptversammlung im Februar musste die Premiere-Führung wegen dieser Vorgänge massive Kritik seitens der Aktionäre einstecken. Zudem
hatte Premiere für 2008 einen Rekordverlust vermeldet.
Nach einem Bericht des Wirtschaftsblatts "Euro am Sonntag" sind die Aktionärsschützer mit der Aufarbeitung dieser Problematik durch den aktuellen Aufsichtsrat unzufrieden. "Wir sind der Ansicht, dass der jetzige Aufsichtsrat unter dem neuen Vorsitzenden Markus Tellenbach mögliche Pflichtverletzungen der früheren Vorstandschefs Michael Börnicke und Georg Kofler nicht ausreichend nachgeht" so SdK-Vorstandsmitglied Daniel Bauer. Dabei würde sich die Schutzgemeinschaft alle Optionen offenhalten. Dies könne eine Sonderprüfung auf der nächsten Hauptversammlung beinhalten, aber auch eine Strafanzeige gegen den Aufsichtsrat wäre eine der Möglichkeiten.
Bezugspreis für neue Premiere-Aktien liegt bei 1,12 Euro
Unterdessen gab Premiere am Wochenende die Höhe des Bezugspreises für neue Premiere-Aktien bekannt.
Premiere gibt im Rahmen einer Kapitalerhöhung 367.463.508 neue Aktien aus und erhöht dadurch das Grundkaptital um rund 367,5 Millionen Euro auf 490,1 Millionen Euro. Die Premiere-Aktionäre können für je drei existierende Aktien ein Bezugsrecht für eine neue Aktie zum Kurs von 1,12 Euro anmelden.
Der Kurs der alten Premiere-Aktien sank am Montagvormittag an der Frankfurter Börse zeitweise um mehr als elf Prozent auf 1,97 Euro. Der Premiere-Großaktionär Rupert Murdoch hatte bereits zuvor zugesichert, dass sein Konzern News Corp. soviele Bezugsrechte auszuüben oder Aktien zu zeichnen, dass der angestrebte Bruttoemissionserlös in Höhe von rund 411,6 Mio. € sichergestellt ist. Voraussichtlich am 24. April sollen die neuen Aktien in den aktuellen Premiere-Aktienkurs einbezogen werden.