Der Computerkonzern IBM will den kleineren Konkurrenten Sun Microsystems nach Einschätzung eines Experten vor allem wegen der Softwaresprache Java übernehmen. "IBM will Sun nicht wegen der Hardware. IBM will vor allem Java haben", sagte der Branchenkenner Rüdiger Spies vom Marktforschungsunternehmen IDC der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die Java-Programmierplattform kommt in
PCs, Servern und auch Handys zum Einsatz. "IBM bekäme mit dem Sun-Kauf einen starken Einfluss auf alles, was in der IT-Welt entwickelt wird."
Rivalität zu Microsoft
Außerdem sieht Spies die IBM-Übernahmepläne als Teil einer jahrzehntelangen Rivalität mit dem Software-Riesen Microsoft. Die Geschichte reiche zurück bis in die 90er Jahre: Damals hatte Microsoft den wesentlich älteren und größeren Konkurrenten IBM bei Computer-
Betriebssystemen ausgestochen. "IBM hat nie verwunden, dass sein OS/2 gegen Windows unterlegen ist", sagte Spies. Mit Sun Micro und Java würde IBM wieder stärker in Microsofts Geschäftsbereiche vordringen. Vor allem den
Mobiltelefon-Herstellern käme dies sehr gelegen, ist Spies überzeugt. "Die haben ein massives Interesse daran, dass Microsoft nicht zuviel Einfluss bekommt."
Dass IBM mit dem Kauf von Sun zum Marktführer im Server-Geschäft wird, bezeichnete Spies als "netten Nebeneffekt". Ein Kerngeschäft von Sun sind große Unternehmens- und Netzwerkrechner - die sogenannten Server. Derzeit halten IBM und Hewlett-Packard jeweils rund 30 Prozent des Marktes und Sun 10 Prozent. Dass nach einer Übernahme die besondere Technik von Sun weiter existieren wird, erwartet Spies nicht: "Die Sparc-
Prozessoren werden keine fünf Jahre überleben."
Kaufpreis niedriger als zunächst geplant
IBM und Sun Microsystems verhandeln bereits seit Wochen über eine Übernahme. Nach jüngsten US-Medieninformationen
will IBM inzwischen weniger zahlen als zunächst geplant. Die Seiten hätten sich auf einen Kaufpreis zwischen neun und zehn Dollar je Sun-Aktie geeinigt - rund ein Dollar niedriger als zuvor angedacht, berichtete das "Wall Street Journal". Der Gesamtpreis würde damit rechnerisch statt bis zu rund acht Milliarden Dollar maximal gut sieben Milliarden Dollar betragen.
Den Preis findet Spies günstig. "Sun ist mit seinen 33.000 Mitarbeitern kein kleines Unternehmen." Der IDC-Experte geht davon aus, dass die Hälfte der Beschäftigten nach einer Übernahme gehen muss, vor allem in der Verwaltung und dem Management. Den Vertrieb sieht er dagegen als vergleichsweise sicher an. In Deutschland arbeiten für Sun 1.450 Menschen. "IBM wird den Stellenabbau hierzulande nicht mit dem gleichen harten Schnitt wie etwa in den USA machen, aber mit der gleichen Konsequenz." Dass bei IBM selbst in größerem Maße Leute gehen müssen, glaubt Spies indes nicht. Der Computerkonzern beschäftigt weltweit rund 400.000 Menschen, hierzulande sind es 21.000.