Das Wort "Datenschutz" findet sich zwar häufiger auf den Internetseiten der
Deutschen Telekom, jedoch hapert es immer wieder in der praktischen Umsetzung. Neuester Fall: Das Unternehmen hat dem Bundeskriminalamt (BKA) nach dem 11. September 2001 offenbar ohne ersichtliche Rechtsgrundlage Millionen von Kundendaten für eine Rasterfahndung bereitgestellt, berichtet die "Frankfurter Rundschau".
"Schläfer" unter Telekom-Kunden
Dabei sei es weder um die Auffindung bestimmter Straftäter, noch um die Abwehr konkreter Gefahren gegangen, so die "FR". Vielmehr stellte die Telekom ihre Kundendaten für eine rasterbasierte Suche zu Verfügung, um potentielle "Schläfer" mittels bestimmter Kriterien anhand ihrer Kundenprofile aufzufinden. Eine Rechtsgrundlage gäbe es nach Ansicht von "Führungskreisen" im Unternehmen dafür aber bis heute nicht, schreibt das Blatt. Unabhängig davon seien Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz bei der Telekom jedoch ein- und ausgegangen. Informationen zur "Amtshilfe" wurden demnach häufig auf dem "kleinen Dienstweg" beschafft. Ziel der Rasterfahndung waren insbesondere männliche Araber islamischen Glaubens, zwischen 18 und 40 Jahre alt, die sich als Studenten an einer deutschen Hochschule registriert hatten.
Kein Dementi, keine Auskunft
Gegenüber der "Frankfurter Rundschau" waren weder Telekom noch Bundeskriminalamt zu einer Stellungnahme bereit. Es gab weder ein Dementi zu den Vorwürfen noch weitere Erklärungen. Ein Unternehmenssprecher sagte lediglich, dass Dritten gegenüber keine Informationen darüber erteilt werden dürften, wie Auskunftsersuchen staatlicher Stellen beantwortet würden. Generell helfe man Behörden aber erst nach eingehender juristischer Prüfung, so der Telekomsprecher. Ohne zulässige Rechtsgrundlage gäbe es daher auch keine Auskunft. Weitere Informationen zu den Vorwürfen sollen am Donnerstag folgen. Die Telekom verspricht genauere Nachforschungen.
Unabhängig davon, welche Ergebnisse diese Suche haben wird, steht eines bereits fest: das Image des Bonner Kommunikationskonzerns ist erneut schwer beschädigt worden. Nach den
Datendiebstählen bei T-Mobile und der
Spitzelaffäre aus dem letzten Jahr, die ihrerseits bereits
endlose Ausmaße anzunehmen schien, kündigt sich der nächste große Skandal an. Das Vertrauen der Kunden scheint im Hause Telekom keinen hohen Stellenwert zu haben.