Streit im
DSL-Segment: Kaum hat die Bundesnetzagentur eine
Absenkung des TAL-Entgeltes für die so genannte
letzte Meile festgesetzt, geht die
Deutsche Telekom auf die Barrikaden. Das Bonner Unternehmen teilte am Donnerstag mit, die Investitionen für den Breitbandausbau überprüfen zu wollen.
Telekom übt Kritik
Nach einer Entscheidung des Regulierers darf die Telekom von ihren Wettbewerbern seit dem 1. April nur noch 10,20 Euro monatlich für die Überlassung der Teilnehmeranschlussleitung verlangen. Das sind 30 Cent monatlich weniger als bisher und der Gegensatz dessen, was die Telekom verlangt. Sie hatte eine
Erhöhung des TAL-Entgelts auf 12,90 Euro monatlich beantragt.
Finanzvorstand tritt auf die Ausbau-Bremse
Der nun ergangene Erschluss zur Preissenkung habe zur Folge, dass die durch die Telekom geplanten Breitband-Investitionen neuen Wirtschaftlichkeitsberechnungen unterzogen werden müssten. Auf Basis des neu festgelegten TAL-Entgelts sei es der Telekom nicht möglich, eine Breitbandversorgung in Deutschland allein herzustellen. Der ehemalige T-Home- und neue Finanz-Vorstand,
Timotheus Höttges, fordert den Wettbewerb auf, ebenfalls "in Breitband im ländlichen Raum zu investieren".
"Die Entscheidung der Behörde ist für uns ein Investitionshemmnis", so Höttges. Auf Basis der aktuell vermieteten Anschlüsse, die bei mehr als acht Millionen liegen, werde dem Konzern durch die Entscheidung des Regulierers ein hoher zweistelliger Millionenbetrag entzogen. Wie im Jahr 2008 sollten eigentlich auch 2009 rund 100 Millionen Euro in den Ausbau weißer Flecken fließen. Das will die Telekom nun nach eigenen Worten überprüfen - auch bei bereits geplanten Ausbauprojekten.
Unverständnis vom VATM
Als völlig unverständlich hat VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner die Drohung der Deutschen Telekom AG (DTAG) bezeichnet, die Schließung der weißen Flecken auf den Prüfstand zu stellen. "Die Telekom versucht weiterhin, Wettbewerb zu verhindern oder zu verdrängen." Anstatt an der gemeinsamen wirtschaftlich sinnvollen Ausbaustrategie festzuhalten, bemühe sie sich nun andere Wettbewerbsvorteile wie Regionalisierung der Regulierung oder aber Regulierungsabbau politisch zu erreichen.
"Ich glaube nicht, dass es richtig ist, so vorzugehen", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, zur Reaktion der Telekom. "Wir haben das sachgerecht gemacht." Er stelle aber fest, dass die Deutsche Telekom solche unversorgten "weißen Flecken" im ländlichen Raum dann ausbaue, wenn plötzlich ein anderer Betreiber etwa mit Funknetzen dort vorgehe. Kurth appellierte an die Telekom, wenn sie selbst weiße Flecken nicht ausbaue, zumindest alles zu tun, damit Dritte, die investitionswillig seien, dies dort tun könnten.