Im Streit mit der Verwertungsgesellschaft GEMA sperrt die Google-Tochter YouTube alle Musikvideos auf seiner deutschen Website. Das teilte YouTube-Manager Patrick Walker am Dienstagabend in einem Blog-Eintrag mit. Bei der Kontroverse geht es darum, wie viel Geld der Verwertungsgesellschaft für das Verbreiten von Musikvideos im
Internet zusteht.
GEMA verlangt einen Cent pro Abruf
GEMA-Sprecherin Bettina Müller sagte, ihre Organisation habe YouTube in einem ersten, unverhandelten Angebot einen Preis von einem Euro-Cent pro Abruf vorgeschlagen. Außerdem verlange die GEMA eine größere Transparenz über die Nutzung des Repertoires der Künstler, die von der GEMA vertreten würden. Harald Heker, der Vorstandsvorsitzender der GEMA, sagte: "Es zeichnet sich eine grundlegende Auseinandersetzung zwischen der GEMA und Google und seiner Tochtergesellschaft YouTube ab."
Google-Sprecher Kay Oberbeck nannte die Forderungen der GEMA "völlig inakzeptabel", da YouTube damit bei jedem Abspielen eines Videos Verluste machen würde. Der GEMA habe zunächst auf einen Listenpreis von zwölf Cent verwiesen. Aber auch der nun genannte Tarif von einem Cent sei nicht hinnehmbar und fünfmal teurer als in Großbritannien, wo Youtube ebenfalls eine
Musikvideo-Sperre vollzogen hatte. Außerdem habe sich die GEMA geweigert, eine Liste der von ihr vertretenen Künstler zur Verfügung zu stellen. Wegen des Auslaufens der Vereinbarung und der damit verbundenen Unsicherheiten müsse man nun Musikvideos von Musik-Partnern bis auf weiteres auf YouTube in Deutschland sperren.
Google und GEMA betonten jedoch auch, dass sie an einer gütlichen Regelung interessiert seien. Das
deutschsprachige Videoangebot von YouTube war im November 2007 online gegangenen, nachdem ein komplizierter Streit um Urheberrechtsfragen mit der Verwertungsgesellschaft GEMA vorläufig gelöst worden war. Dieser Vertrag lief allerdings Ende März 2009 aus.
Hayo Lücke
/ dpa