Samstag, 28.03.2009 15:11

BKA-Stopp-Schild gegen Porno-Konsumenten

aus dem Bereich Sonstiges
Das Bundeskriminalamt hat Zweifel an der Wirksamkeit von Sperren für Kinderporno-Seiten im Internet zurückgewiesen. "Nach unseren Erkenntnissen sind vier von fünf Menschen, die im Internet auf Kinderpornos zugreifen, Gelegenheits-Konsumenten. Die lassen sich durch ein Stopp-Schild abschrecken und geben ihr Vorhaben auf", sagte der BKA-Präsident Jörg Ziercke der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag).

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Abschreckende Wirkung

Daneben gebe es einen harten Kern versierter Nutzer, gegen den sich mit Sperren nichts ausrichten lasse. "Diesen 15 bis 20 Prozent der Pädophilen ist nur mit gezielten Ermittlungen beizukommen", sagte Ziercke. Er bezog sich auf Erfahrungen in den Ländern, in denen Seiten mit kinderpornografischen Inhalten bereits blockiert werden.

Bedenken aus Schweden

Dagegen meldete ein Vertreter der schwedischen Polizei Bedenken an. "Unsere Sperrmaßnahmen tragen leider nicht dazu bei, die Produktion von Webpornografie zu vermindern", sagte der schwedische Chefermittler Björn Sellström dem Nachrichtenmagazin "Focus". Die Zahl der gestoppten Seiten habe sich erhöht und die Nutzer könnten die Stopp-Seiten problemlos umgehen.

Nach den Plänen von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) soll das BKA den Internet-Anbietern tagesaktuelle Sperrlisten liefern. Ziercke geht davon aus, "dass in jedem Fall 1.000, möglicherweise auch bis zu 5.000 Seiten mit kinderpornografischen Inhalten geblockt werden müssen". Es gehe um Hunderttausende von Zugriffen, die jeden Tag verhindert und auf Stoppseiten umgeleitet werden sollen, sagte Ziercke.

Nach seinen Angaben kommen nicht nur die Konsumenten von Kinderpornografie, sondern auch die Täter zunehmend aus Deutschland. "Wenn wir Jahr für Jahr rund 13.000 Fälle von Kindesmissbrauch registrieren müssen, wird das erschreckende Ausmaß des Problems sehr deutlich."

Viele missbrauchte Kleinstkinder

Besonders alarmierend ist für das BKA die deutliche Zunahme der Zahl missbrauchter Kleinstkinder. Die Tendenz gehe eindeutig zu immer jüngeren Opfern, sagt Ziercke. Nach Studien sind inzwischen 40 Prozent der Opfer jünger als sechs Jahre. "Jedes fünfte gepeinigte Kind ist danach noch keine drei Jahre alt", berichtete der BKA-Chef.
Hayo Lücke / dpa
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