Bundespräsident Horst Köhler hat schärfere Bestimmungen für gewaltverherrlichende Computerspiele gefordert. "Sagt uns nicht der gesunde Menschenverstand, dass ein Dauerkonsum solcher Produkte schadet? Ich finde jedenfalls: Dieser Art von "Marktentwicklung" sollte Einhalt geboten werden", sagte Köhler am Samstag beim Staatsakt für die 15 Opfer des Amoklaufs vom 11. März im baden-württembergischen Winnenden. Auch die Innenminister von Berlin und Bayern sprachen sich für ein strengere Regeln aus. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) nannte entsprechende Vorschläge dagegen populistisch.
Auch der Staat ist gefordert
Köhler sagte, genau wie die Eltern und Angehörigen von Opfern wolle er, dass sich etwas ändere. "Und da ist nicht nur der Staat gefordert." Es sei auch "eine Frage der Selbstachtung, welche Filme ich mir anschaue, welche Spiele ich spiele, welches Vorbild ich meinen Freunden, meinen Kindern und Mitmenschen gebe", sagte das Staatsoberhaupt. Man müsse auch "Nein" zu Dingen sagen, "die man für schlecht hält - auch wenn sie nicht verboten sind".
Die Familien von fünf getöteten Schülern hatten in einem offenen Brief an Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Baden- Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) Konsequenzen aus der Tat gefordert. In dem Schreiben, das die "Winnender Zeitung" veröffentlichte, appellieren sie an die Politiker, den Zugang Jugendlicher zu Waffen zu erschweren, Gewaltdarstellungen im Fernsehen einzuschränken und Killerspiele zu verbieten. Der Jugendschutz im
Internet solle ausgebaut sowie die Berichterstattung der Medien über Amokläufer reglementiert werden.