Im vergangenen Jahr
stieg die Zahl der illegalen Musik-Downloads erstmals seit Jahren wieder an. Auf jeden legal erworbenen Musiktitel kommen acht illegale Downloads. Insgesamt wurden 316 Millionen Kopien unberechtigt verbreitet. Die deutsche
Musikbranche fühlt sich vom Staat in Stich gelassen. Tatenlos war die Musikwirtschaft bisher auch nicht, plant aber nun ein verstärktes Vorgehen gegen die Verbreiter illegaler Kopien.
Stärkere Verfolgung geplant
"Wir überlegen, ob wir die Verfolgung noch weiter nach oben fahren", sagte Stefan Michalk, Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie. Laut "Hamburger Abendblatt" strebt der Verband monatlich rund 1.000 Abmahnungen an. Die Zahl der Abmahnungen war zurückgegangen, da die Staatsanwaltschaften zunehmend dazu übergangen waren, Bagatellfälle mit weniger als 3.000 illegal verbreiteten Musiktiteln nicht mehr zu verfolgen.
Die Musikindustrie will vermehrt die
Internetprovider in die Pflicht nehmen und von diesen über ein zivilrechtliches Auskunftsrecht Informationen über die Identität der illegalen Kopierer erhalten. "Wir würden gerne auf weitere Massenverfahren wegen illegaler Verbreitung und Nutzung von Musik verzichten", sagt Verbandschef Dieter Gorny. Vom Verband angestrebte individuelle Warnhinweise an die Raubkopierer, die eine abschreckende Wirkung haben soll, würden noch keine Unterstützung bei der Politik finden.
Umsatzrückgang hält sich in Grenzen
Trotz des Jammerns über die Musikpiraterie verbuchte die deutsche Musikindustrie im internationalen Vergleich nur einen geringfügigen Rückgang der Erlöse aus dem Verkauf von Musiktiteln um 4,7 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr konnten immerhin noch 145 Millionen CDs verkauft werden, dies ist ein Rückgang um 3,5 Millionen Exemplare. Das CD-Geschäft ist mit einem Anteil von 80 Prozent immer noch der größte Umsatzbringer. Aber auch mit dem Internet, etwa durch legale Downloadangebote, verdient die Musikbranche inzwischen ganz gut. Sieben Prozent des Umsatzes flossen aus dem weltweiten Netz in die Kassen der Musiklabels.