Es sind vor allem Jungs, die sich in der virtuellen Welt verschanzen. Die das Netzwerk mit Fremden den Treffen mit echten Freunden vorziehen. Die schon als Kinder viele Stunden täglich damit verbringen, auf dem Computerbildschirm virtuell Menschen zu töten. Der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), Christian Pfeiffer, warnt vor einer "Medienverwahrlosung" der deutschen Kinder. Besonders große Sorgen macht er sich dabei um die Jungen.
Gefährdete Jungs
Rund 50 Prozent der 10-jährigen Jungen spielen - zumindest ab und zu - Spiele, die erst ab 18 freigegeben sind. Im Alter von 15 sind es schon 82 Prozent, sagte Pfeiffer. Viele von ihnen ballern sich mehr als viereinhalb Stunden am Tag durch ihre Fantasiewelt. Auf das Jahr hochgerechnet verbringen sie mehr Zeit vor dem Computer als auf der Schulbank. 15 Prozent der Jugendlichen zeigten bereits im Alter von 15 Jahren Anzeichen von Sucht. "Jugendmedienschutz kann man vergessen. Der funktioniert nicht. Altersfreigaben sind Adelsprädikate - das ist der Alltag."
Brutale Spiele fördern Aggressionen
Die Folge dieses grenzenlosen Konsums: Das Einfühlungsvermögen wird beeinträchtigt, die Konzentrationsfähigkeit sinkt, mit den Schulnoten geht es in den Keller und die Gewaltbereitschaft steigt. "Je mehr sie brutale Inhalte spielen, umso aggressiver sind sie", erläutert Pfeiffer das Ergebnis seiner eigenen Studien.
Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) gibt an, dass 16 Prozent aller Grundschüler verhaltensauffällig sind. "Jedes fünfte Kind ist bereits bei der Einschulung therapiebedürftig", sagt BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Er fügt hinzu, dass jedes Grundschulkind heute im Schnitt etwa 3,2 Stunden am Tag vor dem Fernseher sitze.