So düster wie die Druckerschwärze auf dem Papier ist der
US-Medien-Jahresbericht 2009 des renommierten Pew-Forschungsinstituts in Washington für die amerikanischen Zeitungsverlage. So informierten sich 2008 erstmals mehr US-Bürger im Internet als in der Tagespresse.
Nachrichten ja, aber bitte gratis
Der zum sechsten Mal in Folge vorgelegte Bericht zeigt vor allem eines: Nachrichten sind den Amerikanern zwar weiter wichtig und bleiben begehrt, allerdings sind immer weniger Menschen bereit, dafür zu bezahlen. 2009 werde für die US-Zeitungsbranche angesichts der dramatischen Wirtschaftskrise zum vermutlich "schlimmsten Jahr" überhaupt, so die Prognose. Aber nicht nur die Zeitungen haben zu kämpfen. Auch Zeitschriften, Radio und die lokalen Fernsehsender in den USA mussten 2008 Einbußen hinnehmen. Als Gewinner hingegen können sich neben den
Internet-Anbietern vor allem Nachrichtensender wie CNN, MSNBC und Fox News fühlen. Die Zuschauerzahl stieg im spektakulären Wahljahr 2008 um 38 Prozent, auch die Gewinne legten um 33 Prozent zu.
2008: 24 Prozent Zuwachs für Webangebote
Der Versuch von Verlagen, im
Internet die kontinuierlichen Verluste bei Auflagen und Anzeigen aufzufangen, habe sich laut der Studie mittlerweile zu "einem verzweifelten Bemühen entwickelt". Obwohl bereits einige Verlage mit der
Flucht ins Internet reagiert haben, gäbe es noch kein tragfähiges Lösungskonzept für die Zeitungskrise. Um mit Nachrichten Geld verdienen zu können, werde traditionelle Werbung künftig nur teilweise die Kosten für Qualitätsjournalismus decken können. Allerdings sei es übertrieben, von einem Sterben des traditionellen Journalismus zu sprechen, vor dem angesichts der US-Zeitungskrise Kommentatoren und Medienexperten gewarnt hatten. Ungeachtet dessen erhöhte sich die Zahl der Amerikaner, die sich im Web auf den fünfzig wichtigsten Nachrichtenseiten informierten, im vergangenen Jahr um 24 Prozent. 2007 lag der Anstieg lediglich bei acht Prozent.
Die Erlöse im Web seien 2008 allerdings kaum gestiegen. Die Auflage der US-Zeitungen sank 2008 erneut um etwa 4,6 Prozent auf eine tägliche Gesamtauflage von rund 48 Millionen. Die Zeitungswirtschaft habe 2008 etwa 38 Milliarden Dollar (28,2 Milliarden Euro) umgesetzt, wobei die Verlage noch immer meist gute Profite erwirtschaftet hätten, so die Studie. Die Gewinne der Zeitungshäuser seien aber um 14 Prozent niedriger als 2007 und 23 Prozent geringer als ein Jahr zuvor. Bis Ende 2009 wird der Prognose zufolge im Vergleich zu 2001 jeder vierte Arbeitsplatz in den Zeitungsredaktionen verloren gegangen sein. Allein 2008 sank die Zahl der journalistischen Arbeitsplätze um etwa 5.000, das sind etwa zehn Prozent.