Der Chef der
Telekom-Geschäftskundensparte T-Systems, Reinhard Clemens, bezeichnete das Handy-Betriebssystem Android als künftigen Standard und äußerte gleichzeitig Kritik an
Windows Mobile von Microsoft.
Kritik am Energieverbrauch
Wie die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtet, sagte Clemens auf einer Konzernveranstaltung im Rahmen der
CeBIT am Mittwoch, dass Android das Windows der Zukunft sein werde. Das lizenzkostenfreie Open-Source-System ermögliche erstmals die Entwicklung von Software für unterschiedliche
Mobiltelefone, ohne diese an jedes einzelne Modell anpassen zu müssen. Android werde bald eine ähnliche Rolle bei Handys spielen wie
Windows bei Computern, so Clemens.
Microsoft werde mit Windows Mobile zunehmend ins Hinterteffen geraten, da es zu viel Energie verbrauche. Handys mit diesem Betriebssystem müssten zu oft aufgeladen werden. Eine solch massive Kritik an Microsoft durch ein Vorstandsmitglied eines der größten Mobilfunkanbieter weltweit habe es laut FTD bisher noch nicht gegeben. Zudem führe Clemens mit dem Geschäftskundenbereich gerade den Sektor, in dem Windows Mobile aufgrund der Verknüpfung mit der Unternehmens-Software aus dem eigenen Haus bislang einen guten Stand hat. Außerdem sei die Konzernschwester
T-Mobile einer der größten Anbieter von Windows-Mobile-Smartphones.
Unabhängigkeit von Handy-Herstellern
Die Telekom setzt im Smartphone-Bereich auf verschiedene Plattformen. Neben dem
iPhone sind hier vor allem die Betriebssysteme Symbian oder Windows Mobile zu finden. Das erste
Android-Handy G1 bietet T-Mobile erst seit Kurzem an. Da der Markt aber ständig in Bewegung sei, erwartet Clemens auch dort Veränderungen. Android biete zudem die Möglichkeit, sich unabhängiger von Handy-Herstellern zu machen. "Je unabhängiger man von den Herstellern ist, desto besser ist das Leben der Netzbetreiber," zitiert die FTD den Telekom-Vorstand. Auch der Konkurrent
Vodafone wird voraussichtlich im April sein erstes Android-Gerät G2 auf den Markt bringen.
Dem von Google erst im Herbst vergangenen Jahres vorgestellten Betriebssystem Android sagen viele Experten eine große Zukunft voraus. Nikolaus Mohr, Geschäftsführer bei der Beratungsgesellschaft Accenture, sieht den Erfolg aber vorerst nur im Privatkundenbereich. Angebote wie der Marktplatz für Android-Anwendungen seien besonders attraktiv für diese Kundschaft. Bei den Entscheidungskriterien für Unternehmen, wie Sicherheit vor Datenverlusten und unberechtigtem Zugriff oder die Kompatibilität mit PC-Büroprogrammen, stehe Android noch ganz am Anfang der Entwicklung.