Das
Online-Netzwerk Xing erwartet in der Wirtschaftskrise wachsende Umsätze. "Wenn Arbeitsplatzverluste drohen, werden persönliche Beziehungen und Kontakte noch wichtiger", sagte der neue Vorstandschef Stefan Groß-Selbeck der Deutschen Presse-Agentur dpa auf der IT-Messe CeBIT in Hannover. Davon werde sein Unternehmen profitieren. Die 2003 gegründete Plattform ist vor allem zur Pflege von geschäftlichen Kontakten gedacht. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte
Xing den Umsatz um 80 Prozent auf 35 Millionen Euro und den operativen
Gewinn um 86 Prozent auf 13 Millionen Euro steigern.
Gut gerüstet
Den Markteintritt des US-Rivalen
LinkedIn kommentierte der Manager – wie auch schon
Michael Otto gegenüber onlinekosten.de – gelassen: "Wir sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz klarer Marktführer und haben eine lebendige und dynamische Community aufgebaut." Gerade dies mache das Netzwerk für die Mitglieder wertvoll, sagte Groß-Selbeck. Daher sei Xing für den Wettbewerb mit dem in den USA starken Konkurrenten gut gerüstet.
Funktionen für Personalchefs
Bislang erzielt das Hamburger Unternehmen rund 80 Prozent seines Umsatzes mit Mitgliedergebühren. In den nächsten Monaten will Groß- Selbeck - der frühere Deutschlandchef des Online-Auktionshauses
eBay - neue Einnahmequellen erschließen, unter anderem durch neue Funktionen für Personalentscheider. "Mehr als 40.000 Recruiter sind auf Xing aktiv und suchen Kandidaten, obwohl die Seite noch nicht dafür optimiert ist", sagte Groß-Selbeck. Weitere Angebote etwa für die Kundenpflege seien langfristig ebenfalls denkbar.
Xing plant zudem einen Schritt, mit dem das amerikanische Online- Netzwerk Facebook seit einem Jahr seine Attraktivität deutlich gesteigert hat: Die Hamburger wollen ihre Plattform für externe Programmierer öffnen. Diese können dann Anwendungen schreiben, die sich zum Beispiel in die Profile der Nutzer integrieren lassen. Anders als beim US-Anbieter ist laut Groß-Selbeck aber vorgesehen, die Qualität der Programme zu überprüfen.
Mit den neuen Angeboten verbindet Xing die Hoffnung, die Einnahmen aus Abos von Premium-Mitgliedern zu steigern. Derzeit zahlen 550.000 der mehr als sieben Millionen Nutzer die Monatsgebühr von knapp sechs Euro. Preiserhöhungen sind laut Groß-Selbeck nicht geplant.