"Krise? Chance!", tönt es den Besuchern auf großflächigen Plakate entgegen. Wer in diesen Tagen die Hallen der größten Computermesse der Welt betritt, hat sich durch die Vorwarnungen nicht abschrecken lassen: Jeder vierte
CeBIT-Aussteller des vergangenen Jahres hat die ersten Märztage 2009 lieber zuhause verbracht. Immerhin: 4.300 Unternehmen sind dennoch gekommen, um zu zeigen, "dass sie robust dastehen und die Rezension hinter sich lassen wollen", wie Ernst Raue, Vorstand der Deutschen Messe AG, es vor Beginn ausdrückte. Über die offiziellen Besucherzahlen wird die Messeleitung erst nach dem 8. März Auskunft geben, doch schon jetzt dürfte klar sein, dass auch für viele treue CeBIT-Fans der Weg nach Hannover ein steiniger war.
"Jetzt erst recht!"
Zweifelsohne hat die Messe an Glanz verloren, woran letztlich auch der pompöse Auftritt des diesjährigen CeBIT-Maskottchens Arnold Schwarzenegger nicht viel ändern konnte. 2009 ist anders: leiser, langsamer. Unternehmen hatten im Vorfeld unterschiedlich auf die repräsentative Bewährungsprobe inmitten der Rezession reagiert. Microsoft beispielsweise war mit "Jetzt erst recht!"-Fahnen angereist: Kevin Turner, COO im Redmonder Imperium, fiel bei seiner Keynote durch erfrischenden Optimismus auf: "Wir begreifen die Krise als Möglichkeit, um Schwachstellen auszuloten und uns optimal aufzustellen." Er freue sich sogar über diese Herausforderung. Neun Milliarden US-Dollar will Microsoft dieses Jahr in Forschung und Entwicklung stecken. In dieselbe Kerbe schlug auch Deutschlandchef Achim Berg: Ihm sei es egal, wie viele Aussteller sich zur CeBIT angemeldet hätten.
Der Windows-Erfinder jedenfalls sei dieses Jahr wieder dabei – mit einer noch größeren Standfläche.
Überzeugungsarbeit vor den Messehallen: Plakat der CeBIT. Bild: onlinekosten.de
Aussteller in der Krise
Doch nach soviel Trotz und Zuversicht mussten aufmerksame Beobachter auf der Messe lange suchen: Google etwa – nicht mit eigenem Stand vertreten – räumte zeitgleich ein, dass auch die größte Suchmaschine der Welt
gegen eine globale Wirtschaftsflaute nicht gefeit sei. Im Silicon Valley ist Sparen angesagt. Ebenso im
Hardware-Sektor ziehen düstere Wolken auf: Der PC-Markt bricht ein, Toshiba und Samsung haben abgesagt und auch Nokia hat es sich als notorischer CeBIT-Verneiner in diesem Jahr nicht anders überlegt.