"Guten Tag. Sie haben gerade eine Reise nach Tunesien gewonnen." Anrufe von Telefonwerbern belästigen Verbraucher manchmal sogar mehrfach täglich. Angeboten werden Zeitschriftenabos, Mobilfunkanschlüsse oder die Teilnahme an zweifelhaften Gewinnspielen. Angesichts der Wirtschaftskrise hat diese Art von Kundenfang sogar noch zugenommen.
Schlechte Arbeitsbedingungen
Verbraucherschützer warnen indes schon lange vor Vertragsabschlüssen am Telefon. Und die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di kämpft um bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten, die diese oft nervigen Telefonate zu verantworten haben. Mit Themen wie Datenschutz und Verbrauchersicherheit beschäftigt sich bis diesen Donnerstag auch ein europäischer Call Center-Kongress in Berlin, an dem mehr als 1.600 Experten der Branche teilnehmen.
"Die Branche boomt: Ständig öffnen neue Standorte, die Beschäftigtenzahlen steigen rasant und die Geschäftsergebnisse sind hervorragend", sagt ver.di-Experte Jürgen Stahl. Von diesem Boom komme bei den Beschäftigten aber so gut wie nichts an. Die Mitarbeiter werden oft nur in Teilzeit oder befristet eingestellt. Tarifliche Regelungen gebe es noch kaum. Viele Unternehmen - wie zum Beispiel Quelle - hätten ihre Standorte mittlerweile in den Osten nach Cottbus, Magdeburg oder Görlitz verlagert. "Dort sind die Arbeitskosten niedriger und die Leute angesichts hoher Arbeitslosigkeit eher bereit, zu schlechten Bedingungen zu arbeiten", betont Stahl.
Viele Mitarbeiter sind unzufrieden
Einer ver.di-Umfrage zufolge sind 99 Prozent der Call Center- Mitarbeiter mit ihrer Bezahlung unzufrieden. Mehr als die Hälfte gibt an, dass sie auf einen Zweitjob angewiesen sind. 23 Prozent der Befragten sagen zudem, sie erhielten neben ihrem Lohn noch zusätzlich staatliche Unterstützung. Laut ver.di wird in der Branche ein Grundlohn von gerade einmal 5,50 bis sieben Euro gezahlt und das bei Wochenarbeitszeiten von bis zu 42 Stunden. Auch gebe es für die Arbeit am späten Abend oder Wochenende keine Zuschläge.