Erst waren die Kratzer nur im Display, dann auch im Image: Viele treue Apple-Fans erkannten im Jahre 2005 entsetzt, dass das Display des frisch gebackenen
iPod nano empfindlich ist wie die Prinzessin auf der Erbse.
Schlussstrich in der Kratzer-Affäre
Der Grund: In den ersten Produktionsreihen des schmalen
MP3-Players wurde eine Schutzschicht vergessen. Ein Vergleich soll jetzt den Schlussstrich unter die Affäre ziehen und Ruhe in die Foren bringen: 22,5 Millionen US-Dollar will Apple dafür hinblättern, berichtet "Chip Online".
Kaum war der heißbegehrte Audioplayer auf dem Markt, ging ein Raunen durch die Fangemeinde: Die Oberfläche des Flachmanns war offenbar ungewöhnlich empfindlich. Dabei war man bei Apfel-Produkten üppige Preise, aber auch gute Qualität gewohnt.
Zahnpasta und Chrompolitur
Vor allem US-amerikanische Käufer hatten Ärger. In den Foren kursierten abenteuerliche Selbsthilfetipps - die einen empfahlen Chrompolitur, die anderen Zahnpasta, um Schönheitsflecken rasch auszumerzen. Viele Fans fassten ihr Gerät im wahrsten Sinne des Wortes nur noch mit Samthandschuhen an: Das gute Stück durfte nur noch im edlen Stofftäschchen geschützt das Haus verlassen.
"Keine große Sache", hieß es zunächst bei Apple, wie der "Spiegel" berichtet. Als sich die Beschwerden in Foren und Geschäften häuften, gab man jedoch klein bei und bot an, die betroffenen Geräte umzutauschen. Nicht jeder Kunde war damit zufrieden: Es kam zu Sammelklagen, die Apple mit dem 22,5-Millionen-Dollar-Vergleich zu den Akten legen möchte.
Neun Millionen für Anwälte
Medienberichten zufolge sollen vor allem die Anwälte kassieren: Sie erhalten allein neun Millionen, während die enttäuschten Käufer mit 25 beziehungsweise 15 Dollar zufrieden sein müssen, abhängig ob ein Etui genutzt wurde oder nicht. Nicht eben üppig, gemessen am damaligen Kaufpreis des Gerätes von rund 200 Dollar. Und noch ist der Deal nicht perfekt, denn die Gesetzeshüter müssen noch offiziell zustimmen.
Bei
Apple wäscht man die Hände in Unschuld, verweist auf den Produktionsfehler eines Zulieferers. Den Vergleich habe man nur geschlossen, um den Prozess zu vermeiden, soll ein Mediensprecher geäußert haben. Die Displaykratzer sind Vergangenheit – ob dies auch für den Imagekratzer gilt, bleibt abzuwarten.