Es wird ein hartes Jahr für die
Handy-Hersteller. Die Bereitschaft der Verbraucher, Geld für neue Mobiltelefone auszugeben, sinkt, je länger die Weltwirtschaft in der Krise steckt. Experten sehen außerdem eine zunehmende Sättigung des Marktes: In vielen Ländern kommt auf jeden Menschen rein rechnerisch bereits mehr als ein Handy. Die Branche rüstet sich für einen drastischen Rückgang der Verkaufszahlen in diesem Jahr - den ersten seit 2001.
Rückgang bis zu 10 Prozent
Auch der erfolgsverwöhnte Branchenprimus
Nokia kann der Krise nicht mehr entkommen: Das Schlussquartal beendeten die Finnen mit einem Umsatz- und Gewinneinbruch. Und ihre Prognose für das kommende Jahr ist düster: Einen Absatzrückgang von zehn Prozent erwartet Nokia 2009 für die gesamte Branche. Die Schätzungen der Analysten des Marktforschungsinstituts Gartner sind etwas optimistischer: Sie rechnen mit einem Rückgang der Handyverkäufe im niedrigen einstelligen Bereich. "Nach wie vor ist die Lage schwer einzuschätzen", fasst WestLB-Analyst Thomas Langer zusammen.
Die Menschen hätten in der Wirtschaftskrise andere Prioritäten, als ein neues Handy zu kaufen, erklärt Gartner-Analystin Carolina Milanesi. Vor allem in Europa seien außerdem die längeren Laufzeiten bei
Handy-Verträgen ein Problem, da sie Kunden an ihr Gerät binden. Ein Rückgang der Subventionen von Mobilfunkunternehmen für neue Handys sei noch nicht zu beobachten. "Die Betreiber werden sich aber in Zukunft ganz genau überlegen, welches Handy sie unterstützen." Statt des Telefons mit 8-Megapixel-Kamera werde wohl eher das Gerät mit dem integrierten Browser subventioniert, das dem Netzbetreiber zusätzliche Datenumsätze bescheren könnte.
Neue Funktionen gegen den Absatzrückgang:
Das Nokia 5800 XpressMusic mit Touchscreen.
Bild: Nokia
Branchenweite Krise
Dabei leidet Nokia nicht allein: Der Konkurrenz geht es kaum besser. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Konkurrent
Sony Ericsson eine bittere Bilanz des abgelaufenen Quartals gezogen und einen negativen Ausblick für den Gesamtmarkt gegeben.
Motorola verkaufte vorläufigen Zahlen zufolge im vierten Quartal halb so viele Handys wie im Jahr zuvor. Die südkoreanische
LG Electronics konnte hingegen im abgelaufenen Quartal 25,7 Millionen Handys absetzen und sieht sich besser für die Krise gewappnet als die Konkurrenz.