Die
Musikbranche hat einen alten, fast verloren geglaubten Freund wiederentdeckt: den Fan. In den vergangenen Jahren wurden die Musikliebhaber noch häufig als böse
Raubkopierer behandelt, die das Geschäft kaputt machen. Jetzt gelten sie als unverzichtbare Konsumenten, die alles kaufen vom T-Shirt über das Konzertticket bis hin zur teuren Sonderedition.
Direkter Kontakt steigert Umsatz
Die Neuentdeckung des Fans als treibende Kraft des Musikzirkus hilft aber weniger den mit Umsatzverlusten kämpfenden Plattenfirmen als vielmehr den Künstlern selbst. Immer mehr Musiker rund um den Globus bauen über das
Internet einen direkten Kontakt zu ihren Fans auf und verkaufen so mehr als nur CDs und Downlads: Eine Beteiligung am Schaffen der Band selbst.
Marillion war eine der ersten Popgruppen, die ihre Fans direkt einband. "1993 wollten wir durch die USA touren, bekamen aber keine Unterstützung von unserem Label. Uns fehlten rund 60.000 Dollar", erzählte Keyboarder Mark Kelly in Cannes, wo in den vergangenen Tagen im Rahmen der internationalen Musikmesse Midem Experten über die Trends der Branche debattierten. "Ich klinkte mich in eine Post-Mailingliste ein und wurde nach einer US-Tour gefragt, also erzählte ich von unserem Problem." Was dann geschah, sprengte alle Erwartungen. "Einer der Fans eröffnete ein Konto und von überallher kamen Spenden", sagte Kelly. "Die Fans wollten uns einfach touren sehen. Tickets für die Konzerte mussten sie dann noch obendrauf kaufen." Inzwischen hat Marillion mit Unterstützung der Fans vier Alben aufgenommen.
Website von Jill Sobule.
Screenshot: onlinekosten.de
Neue Ideen finanzieren Album
Einen Schritt weiter ging die US-Sängerin und Songschreiberin
Jill Sobule. Obwohl weit weniger populär als Marillion, hat sie bis jetzt 89.000 Dollar (rund 68.000 Euro) für ihr neues Album "California Years" zusammenbekommen - mit pfiffigen Ideen. "Für zehn Dollar bekommst du einen Albumdownload, für 50 Dollar zusätzlich ein "Danke" auf der CD, für 5.000 Dollar spiele ich bei dir zu Hause. Ich habe den Leuten angeboten, sie in einem Song zu erwähnen oder sie mitsingen zu lassen", erzählte die 48-Jährige. "Das Tollste war die Reaktion: Manche schrieben ganze Essays, was ihnen meine Musik bedeutet und warum sie Geld geben. Und einer schrieb: "Ich mag Deine Musik zwar eigentlich nicht, finde die Idee aber gut" und spendete etwas." Das Album erscheint nun im April.