Die schwerste Wirtschaftskrise der deutschen Nachkriegsgeschichte ist kein guter Moment, um ein neues teures
Handy auf den Markt zu bringen. Verbraucher und Unternehmen halten ihr Geld zusammen, die Branche rechnet erstmals seit Jahren mit einem weltweiten Absatzrückgang. Doch
T-Mobile und den Internet-Konzern
Google bremst das nicht.
Die Zukunft im Blick
Das erste
Google-Handy G1, seit Herbst bisher nur in den USA und Großbritannien erhältlich, kommt am 2. Februar auch in Deutschland auf den Markt. Auch in anderen europäischen Ländern wie Österreich wird es um diese Zeit erhältlich sein. Damit der "gefühlte Preis" für die Verbraucher hierzulande nicht zu hoch erscheint, gibt T-Mobile das
G1 schon für einen Euro ab, wenn die Kunden einen Zweijahresvertrag für die größeren Tarife buchen.
Die Beharrlichkeit von T-Mobile und Google dürfte sich damit erklären, dass das G1 mehr ist als nur ein neues Handy, mit dem man ins Internet gehen kann. Letztlich geht es um die Neuaufteilung des milliardenschweren Mobilfunkmarktes, um zukünftige Geschäftsmodelle und Gewinne, möglicherweise sogar um eine Schlüsselposition im künftigen
Internet-Geschäft. Da fällt die Marktschwäche eines Jahres nicht zu sehr ins Gewicht.
Das G1 ist das erste Handy einer
Allianz von mehr als 40 Mobilfunk-Anbietern, Handy-Herstellern und Branchenzulieferern - und Google. Der Internet-Konzern gilt als Initiator des breit aufgestellten Bündnisses. Einige Branchenexperten sagen unverhohlen, das Ziel des Suchmaschinen-Riesen sei, die Dominanz bei den Werbeeinnahmen im Web auf den mobilen Bereich auszuweiten.
Das T-Mobile G1. Bild: T-Mobile
Handy und Internet wachsen zusammen
Denn die Branchenstrategen sind überzeugt: Mobiltelefonie und Internet-Nutzung werden zusammenwachsen. Das heißt, wer zukunftsfest sein will, muss das mobile Web erobern. Der Markt steht erst am Anfang: 2007 war gerade einmal jedes zehnte verkaufte Handy ein Smartphone, wie die Mischung aus Mobiltelefon und Mini-Computer genannt wird - und das nach einem Wachstum von 60 Prozent. 2008 würgte die Finanzkrise den Durchmarsch ab. Im dritten Quartal verlangsamte sich die Wachstumsrate auf nur noch elf Prozent, die vergangenen drei Monate dürften noch schwächer ausgefallen sein.
Doch die Branche glaubt nur an einen kurzfristigen Aussetzer. Zum Jahr 2013 werde der weltweite Anteil der Smartphones 60 Prozent erreichen. Derzeit gibt es bereits drei Milliarden Handy-Nutzer in der Welt. Bis dahin dürfte es mindestens eine Milliarde mehr sein. Es gibt also viel Neuland zu verteilen. Und heutige Stärken sind kein Garant für die Zukunft.