Der Niedergang der CD wird sich in den kommenden Jahren nach Experteneinschätzung noch beschleunigen. "Der Verkauf von Musik - vor allem von CDs, später auch von Musikdateien im
Internet - wird stark abnehmen. Die Zukunft sind Abonnements und über Werbung finanzierte Gratismusik", sagte Digitalmusik-Pionier Michael Robertson am Samstag per Videoschaltung auf der Internet-Musik-Konferenz Midemnet in Cannes.
Streit um Online-Dienst
Robertson - Geschäftsführer der Firma MP3Tunes, die Speicherplatz für Musik im Web anbietet - konnte anders als geplant nicht persönlich in Südfrankreich erscheinen, da er sich gerade in einem Gerichtsstreit mit EMI und anderen Labels befindet. Sie haben ihn und sein Unternehmen wegen Urheberrechtsverletzungen in den USA verklagt, weil der Dienst auch den illegalen Tausch von Musik ermögliche. Auch die Tauschbörse MP3.com, die Robertson vor rund zehn Jahren gegründet hatte, war damals von Plattenfirmen verklagt worden, hatte sich dann aber auf millionenschwere Lizenzdeals geeinigt.
"Die Musikindustrie hat einen Hang, jede neue Technologie erst einmal zu verklagen. Aber so profitiert sie nie von den Innovationen, beispielsweise verdient sie keinen einzigen Cent am Verkauf von
MP3-Playern", sagte Robertson in der Diskussionsrunde im Beisein von Eric Nicoli, der vor zwei Jahren als damaliger EMI-Chef das rechtliche Vorgehen gegen MP3Tunes ins Rollen gebracht hatte.
Neue Geschäftsmodelle kommen
Nicoli, heute Vorstand der Musikfirma R&R Music, verteidigte die Plattenbranche. "Wir verklagen keine Technologien. Aber wenn Leute mit Hilfe einer Technologie wissentlich gegen das Gesetz verstoßen, dann sollten sie sich nicht wundern, wenn sie jemand dafür verantwortlich macht", sagte er. Er räumte aber ein, dass die Plattenindustrie neue Wege aus der Krise brauche. "In Zukunft wird das Geld auf andere Weise verdient. Jedes Geschäftsmodell, das ausschließlich auf den Verkauf von Musik baut, wird es extrem schwer haben."