Hat die Polizei ein Kinderporno-Angebot im Internet identifiziert, wird es nach dem norwegischen Modell den Anbietern zur Blockade gemeldet. Klickt der Nutzer dann eine entsprechende Seite an, erscheint auf seinem Bildschirm automatisch ein rotes Stopp-Schild. Ludvigsen: "Wir erheben nicht den Zeigefinger, sondern machen nur darauf aufmerksam, dass hier der Zugang zu einer Seite mit verbotener Kinderpornografie gesucht wird." Oft gebe es auch "irrtümliche Einwahlversuche". Zwischen 15.000 und 18.000 mal am Tag erscheine heute auf norwegischen PC-Bildschirmen diese Stopp-Seite. Die Nutzer würden nur gezählt, nicht namentlich erfasst.
300.000 Seitenaufrufe täglich
Von der Leyen sagte, hochgerechnet für die Bundesrepublik würde dies die verhinderte Nutzung von über 300.000 Kinderporno-Seiten am Tag bedeuten. Bis zu 80 Euro monatlich zahle ein Nutzer in Europa für den Zugang zu einer Kinderporno-Seite, berichtete die Ministerin unter Hinweis auf eine britische Studie. Wenn aber die Nachfrage sinke, werde auch weniger produziert, berichtete Ludvigsen über die bisherigen Erfahrungen in Skandinavien. Von der Leyen: "Wir wollen vor allem die Opfer schützen." Denn missbrauchte Kinder blieben lebenslang Opfer. "Das Internet vergisst nicht." Die Initiative ziele nicht auf den Nutzer. Sie richte sich vor allem gegen die Betreiber solcher Seiten.
Auch die Suche nach Kinderpornografie ist strafbar
Kinderpornografie sei in Deutschland eindeutig verboten. Selbst "aktives Suchen" danach sei strafbar, sagte von der Leyen. Von der Leyen: "Wir brauchen klare Regelungen auch für das Internet. Es geht ja auch nicht, dass ein Kind auf offener Straße vergewaltigt wird, und Passanten schauen tatenlos zu." Die Ministerin wies zugleich Einwände zurück, ein solches Filtersystem könne auch zur Zensur anderer Themen und Inhalte im
Internet eingesetzt werden. Anders als etwa bei Gewaltdarstellungen sei Kinderpornografie "klar abgrenzbar". Die Ministerin: "Das Aufspüren der Seiten ist Sache des Bundeskriminalamtes". Dafür übernehme der Staat die Verantwortung. Die Sperrung müsse dann durch die
Internet-Anbieter erfolgen. Nach anfänglicher Skepsis hätten sich jetzt alle Anbieter zur Zusammenarbeit entschieden.
Auch in Norwegen hatte es bei der Einführung des Kinderporno- Filters vor fünf Jahren eine breite gesellschaftliche Debatte über mögliche Folgen einer Zensur im Internet gegeben, berichtete der norwegische Fahnder Björn-Erik Ludvigsen. "Kritiker haben uns damals unterstellt, Norwegen wird zu einem zweiten China." Doch heute sei diese Debatte verstummt - und dies aus einem einfachen Grund. "Denn die meisten Menschen werden mangels Interesse an Kinderpornos die Stopp-Seite nie zu Gesicht bekommen."