Der im Zuge des zweiten Konjunkturpakets geplante
bundesweite Breitbandausbau erntete in einer ersten Reaktion dickes Lob von Seiten der deutschen
Provider. Der Telekom-Wettbewerberverband VATM drängt nun auf eine schnelle Umsetzung der Richtlinie – bezeichnet diese allerdings gleichzeitig als "äußerst ehrgeiziges Ziel".
50 Mbit/s für alle bis 2018
In seiner ersten Fassung sieht der Plan der Bundesregierung eine flächendeckende Breitbandversorgung für alle Haushalte Deutschlands bis 2010 vor – wobei eine genaue Definition von "Breitband" weiterhin offen ist. Spätestens 2014 sollen drei Viertel aller Nutzer mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) surfen können, wiederum vier Jahre später soll schließlich allen Bürgern diese
Download-Geschwindigkeit zur Verfügung stehen. "Jetzt kommt es darauf an, den schnellsten sowie ökonomisch und technologisch sinnvollsten Weg dorthin zu bestreiten", betont VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner.
Digitalen Dividende unentbehrlich
"Um dieses Ziel zu erreichen, müssen schnell die notwendigen politischen Entscheidungen vor allem zur digitalen Dividende gefällt werden", sagt Grützner und spielt damit auf die
Runfunkfrequenzen an, die im Zuge der Digitalisierung frei werden. Sofern die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, sei es durchaus realistisch, in zwölf bis 15 Monaten Deutschland von den weißen Flecken auf der Breitbandlandkarte befreit zu haben. "Wenn die politischen Weichen gestellt sind und die Bundesnetzagentur Wort hält, kann schon im Herbst dieses Jahres mit dem Vergabeverfahren begonnen werden", hofft der VATM-Chef.
Warnende Worte zur Telekom
Allerdings hat der Verband auch ein warnendes Wort für die Bundesregierung übrig. Mit Argusaugen hatten die
Telekom-Wettbewerber vor wenigen Wochen das Werben des Ex-Monopolisten für einen
regulierungslosen Alleingang beobachtet. Der vorgeschlagene Deal: Wir bauen das Breitbandnetz auf unsere Kosten aus – dafür pfeift Berlin die Bundesnetzagentur zurück. Seinerzeit hatte der VATM empört und in Windeseile der Kanzlerin ein
vergleichbares Angebot vorgelegt.
Es dürfte keinesfalls dazu kommen, dass zugunsten der Telekom der Preis für das wichtigste Vorprodukt, die Teilnehmeranschlussleitung (
TAL), künstlich hoch gehalten werden, warnt nun Grützner noch einmal. "Der TAL-Preis muss an den tatsächlichen Kosten orientiert auf einem preisgünstigen europäischen Niveau liegen." Sonst würde die Investitionskraft der Unternehmen geschwächt werden und es bestünde die Gefahr, dass der Ausbau neuer Netze verzögert würde. "In der Folge könnten die Wettbewerber zum Beispiel nicht die erforderlichen rund 1,5 Milliarden Euro in den Breitband-Lückenschluss investieren."