Doch nicht nur Google ist eine unterschätzte Schadstoffschleuder, auch Luxusanwendungen des Web 2.0 verfügen über einen kaum zu stillenden Energiehunger: Wissner-Gross hat errechnet, dass das Betrachten einer einfachen Website rund 0,02 Gramm CO2-Ausstoß verursacht – pro Sekunde: Wurden in die Seite aufwändigere Elemente, wie komplexe Bilder, Flash-Anwendungen oder Videos eingebettet, verzehnfacht sich dieser Wert beinahe augenblicklich.
Die Kehrseite des Web 2.0
Ein anderes, skurriles Beispiel bringt Internetskeptiker Nicholas Carr ("The Big Switch"). Er hat sich die virtuelle Welt von
Second Life unter Aspekten des Energieverbrauchs einmal zur Brust genommen und kam zu dem Ergebnis: Um seinen eignen Charakter ein Jahr lang am digitalen Leben zu halten, sind etwa 1.752 Kilowattstunden Elektrizität nötig – der durchschnittliche Brasilianer verbraucht in demselben Zeitraum nicht mehr Strom.
Update 13. Januar 2009:
Google meldet sich zu Wort
Mittlerweile hat Google zu den Vorwürfen offiziell Stellung bezogen: Im Unternehmensblog versichert der Internetriese, dass die genannten Werte "viel zu hoch gegriffen" seien. Tatsächlich läge der Energiebedarf einer einzelnen Suchanfrage bei gerade einmal einem Kilojoule – also das, was ein menschlicher Körper in etwa zehn Sekunden verbraucht.
Auch der zitierte Alex Wissner-Gross hat sich zu Wort gemeldet: Der Bericht der "Times" habe den Schwerpunkt seiner Arbeit falsch wiedergegeben. Tatsächlich beschäftige sich der Wissenschaftler mit dem Internet als Gesamtphänomen: "Wir konzentrieren uns auf das gesamte Web und haben dabei herausgefunden, dass rund 20 Milligramm an CO2 pro Sekunde verursacht werden, wenn eine Website besucht wird", sagte Wissner-Gross dem Online-Magazin "Technewsworld". Das Beispiel des Teekochers müsse ein Einfall der "Times" gewesen sein. Seine Statements über Googles Energiepolitik und den Einfluss der Suche auf die Umwelt würden dennoch stimmen. "Google betreibt weltweit riesige Rechenzentren, die viel Energie verschlingen – ich denke nicht, dass jemand da widersprechen würde", so Wissner-Gross. Doch habe "alles, was online geschieht, einen Einfluss auf die Umwelt. Darauf können wir uns einigen – Google mit eingeschlossen."
Google wirft der "Times" Verzerrung von Tatsachen vor: Ein Autor des Artikels habe so einen Google-Techniker interviewt, "dessen Job es ist, in Rechenzentren für energieeffiziente Arbeitsweisen zu sorgen – jedoch wurde dieses Material nicht benutzt", sagte ein Sprecher gegenüber "Technewsworld". Das Unternehmen habe nun die Studie von Wissner-Gross angefordert. Der Wissenschaftler sagte, er "sei mehr als glücklich", wenn er sie dem Suchanbieter zur Verfügung stellen kann.