Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes konnten sich die Deutschen im vergangenen Jahr über fallende Preise im Telekommunikationssektor freuen: Bis zu
3,3 Prozent – verglichen mit 2007 – seien die Gebühren für Internet, Festnetz und Handy gesunken. Doch die
Anbieter befinden sich in einem harten Preiskampf, in dem jeder Cent zählt. Kein Wunder also, dass sie immer wieder auf kreative Lösungen zurückgreifen, um verdeckte aber lukrative Einnahmequelle zu erschließen. Mittlerweile sind auch die Verbraucherschützer alarmiert.
"Der ein oder andere Trick"
Gegenüber der "Berliner Zeitung" äußerte sich Carola Elbrecht, die Telekommunikationsexpertin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), mehr als kritisch über die Praktiken der Provider: "Viele Anbieter buhlen um die Gunst der Kunden und unterbieten sich deshalb mit scheinbar günstigen Tarifen. Doch um die damit verbundenen Einnahmeausfälle zu kompensieren, versuchen sie sich am Kunden schadlos zu halten und nutzen dabei den ein oder anderen Trick."
Teueres Telefonat: 0137, 0180 oder 0900
Die Fallstricke für den Kunden lauern an vielen Stellen. Teuerstes Beispiel: Sonderrufnummern. Viele Kunden nutzen heute sogenannte Komplettpakete mit Internet- und Telefon-Flatrate, die jedoch nur Gespräche in das deutsche Festnetz abdecken. Telefonate zu Rufnummern, die mit 0137, 0180 oder 0900 beginnen, werden damit zu einem kostspieligen Unterfangen. Juristisch könne man dagegen nicht vorgehen, so Elbrecht, allerdings sei es nicht hinnehmbar, dass Provider ihren
eigenen Service-Hotlines teure Vorwahlen verpassen. Immerhin muss der Nutzer für die Kosten des Anrufs in jedem Fall aufkommen – selbst, wenn er beispielsweise einen Fehler auf Seiten seines Anbieters zu beklagen hat. "Es ist ein Unding, dass Kunden nur dafür zur Kasse gebeten werden, wenn sie ihrem Vertragspartner mitteilen wollen, dass dieser seine Leistung nicht erbringt", sagte Elbrecht. "Juristisch ist das äußerst fragwürdig." Kritisiert werden auch die hohen Kosten für Telefonate vom Fest- in das Mobilfunknetz, die ebenfalls oft von der Flatrate ausgeklammert sind. Hier liegen die Minutenpreise meist deutlich über denen für Gespräche innerhalb der
Handy-Netze.
Kostenfallen im Mobilfunknetz
Wer hingegen nur auf sein Mobiltelefon vertraut, kann ebenfalls in die Kostenfalle treten. Häufig wird für das Abfragen der Mailbox eine Gebühr erhoben. Bei Nutzern, die ihren Anrufbeantworter deaktiviert haben, wird wiederum nicht selten der Anrufer zur Kasse gebeten: dank einer SMS, die den verpassten Gesprächspartner über den Anruf informiert.
Ein weiterer Abzockversuch stellt das mobile Internet per Handy dar: der Weg zum WWW ist auf vielen Modellen nur einen Knopfdruck entfernt – zu nah, wie Elbrecht findet, denn nicht wenige Nutzer bauen so aus Versehen eine teure Datenverbindung auf, obwohl sie eigentlich nur eine SMS schreiben wollten. "Hier liegt der Verdacht nahe, dass die Telekommunikations-Anbieter und
Handy-Hersteller dies bewusst so eingerichtet haben, damit der Kunde möglichst leicht in die Kostenfalle tritt", so die Verbraucherschützerin. "Generell kann man dem Verbraucher deshalb nur empfehlen, nicht nur auf die Preise zu schauen, mit denen der Anbieter wirbt, sondern auch die versteckten Kosten nicht außer Acht zu lassen".