Sie kam, sah und schlug zu: Auf dem Limburger Weihnachtsmarkt startete die Kriminalpolizei eine Piratenrazzia. Und wurde fündig: Raubkopien von rund 14 aktuellen Alben deutscher Interpreten wurden aus dem Verkehr gezogen. Sie lagen in bis zu zwanzig Exemplaren pro Titel vor.
Schaden in Millionenhöhe
Nur ein Tropfen auf den heißen Stein, so der Bundesverband Musikindustrie. 2008 wurden 27.000 Raubkopien auf CD, CD-Rom und DVD sichergestellt – die Fälscher verursachten in der Musikindustrie über eine halbe Milliarde Euro Schaden in den letzen drei Jahren. "Unter den Umsatzverlusten leiden nicht nur Künstler und Hersteller, sondern auch der Handel", heißt es in einer Mitteilung des Verbandes. Dort gingen bereits massiv Arbeitsplätze verloren.
Für 2009 rechnet die deutsche Musikindustrie erneut mit einem Umsatzrückgang. Ein Trost: Dank wachsendem Online-Markt sei kein schwerer Einbruch zu erwarten, denn hier rechnet der Verband Medienberichten zufolge für das vergangene Jahr mit einem Wachstum von 30 bis 40 Prozent. Auch die Erlöse aus Lizenzen, Konzerten und Merchandising sind gestiegen und helfen, die Verluste im schwächelnden CD-Sektor wettzumachen.
Der ständige Kampf gegen Raubkopierer geht unterdessen in eine neue Runde. Da insbesondere mit Online-Razzien ein Image-Verlust einherging und man die Täter zwar ermitteln, aber nicht
unbedingt bestrafen kann, hat man in den USA bereits die Strategie gewechselt und die
Klagewelle gestoppt.
Provider sollen schwarze Schafe ermahnen
Neue Hoffnungen liegen jetzt auf der verstärkten Zusammenarbeit mit den Providern: Sie sollen ihre Kunden verwarnen, wenn sie unter Piratenflagge im Web-Meer segeln. Kehren sie nicht auf den Pfad der Tugend um, soll die Dienstleister notfalls deren Zugang zum Internet kappen.
Der deutsche Bundesverband begrüßt diese Vorgehensweise und betont auf seiner Webseite, Umfragen in Frankreich und England hätten gezeigt, das 70 bis 90 Prozent der Internetnutzer bei einem ersten oder zweiten Warnhinweis ihr illegales Handeln einstellen.