Normalerweise greifen Nutzer auf öffentliche Satellitendienste wie
Google Earth oder
Virtual Earth von Microsoft zurück, um die nächste Route zu planen oder sich vor dem Unterschreiben eines Mietvertrages von der Lage des Objekts zu überzeugen. Einen wirklich großen wissenschaftlichen Nutzen, hatte sich bislang niemand davon versprochen. Doch genau dieser hat sich nun erstmals gezeigt, als britischen Biologen ein spektakulärer Zufallsfund gelang.
Terrainsondierung aus dem All
Wie der "Telegraph" berichtet, klickte sich vor einiger Zeit Julian Bayliss von Royal Botanic Gardens durch die Satellitenlandschaft von Google Earth. Der Wissenschaftler interessierte sich speziell für Gebiete, die rund anderthalb Kilometer über dem Meeresspiegel liegen, da dort durch vermehrten Niederschlag die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, einen Wald zu finden. Im Norden Mosambiks erregte ein kleiner grüner Fleck seine Aufmerksamkeit: Der bislang der Wissenschaft unbekannte Ort, Mount Mabu, liegt in unwegsamen Terrain, zudem hatten Jahrzehnte des Bürgerkriegs einen Zugang unmöglich gemacht. Bayliss wurde neugierig und brach in diesem Herbst gemeinsam mit einer Gruppe von 28 internationalen Biologen zu einer Expedition nach Afrika auf.
Unbekannte Pflanzen, Schmetterlinge und eine Riesenschlange
Die Wissenschaftler schlugen ihr Lager in einem verlassenen Teehaus auf und kämpften sich zu dem etwa 7.000 Hektar großen Areal vor: Laut "Telegraph" musste bei dem Vorhaben auf die Hilfe von rund 70 Trägern zurückgegriffen werden, um später die gefundenen Schätze zu sichern. Im Wald von Mount Mabu fand die Gruppe Hunderte verschiedener Pflanzen- und Tierarten. Drei neue Schmetterlinge, eine Pflanze und eine bislang unbekannte Riesenschlangenart konnten dabei zunächst entdeckt werden - letztere soll nach ersten Erkenntnissen ein Exemplar aus der Gaboon Viper-Familie sein, die Menschen mit einem einzigen Biss töten kann. Wie die Wissenschaftler angesichts der großen Biodiversität vermuten, wartet in Mount Mabu noch eine Reihe weiterer Spezies auf ihre Entdeckung.
Unentbehrlich für Wissenschaft und Artenschutz
Jonathan Timberlake, der die Leitung der Expedition übernahm, sagte dem "Telegraph", dass die digital zur Verfügung gestellten Satellitenbilder sich als Glückgriff für die Wissenschaft erwiesen. Er geht davon aus, dass noch weitere grüne Inseln ihrer Entdeckung harren, besonders in Gebieten wie Mosambik oder Papua-Neuguinea, wo die biologischen Erforschungen noch lange nicht abgeschlossen seien. Solche Funde, wie die von Mount Mabu, wären nicht nur für die Wissenschaft unentbehrlich, sondern würden in Zeiten der Abholzung und Weidelandgewinnung auch dem Artenschutz einen unschätzbaren Dienst erweisen.