Doch wann die
DSL-Konsolidierung tatsächlich kommt, darüber wagt kaum jemand eine Prognose. Der
Verkaufsprozess des DSL-Geschäfts von Freenet ist nach Meinung von Marktbeobachtern wegen zu hoher Preisvorstellungen von Vorstandschef Eckhard Spoerr ins Stocken geraten. Dieser stellt sich auf den Standpunkt, den Bereich nur zu verkaufen, wenn es sich auch lohnt. "Wir stehen nicht unter Druck", wird Spoerr nicht müde zu betonen.
Freenet-Chef hat es nicht eilig
Bis 2014 sei sein Unternehmen durchfinanziert. Ursprünglich war der Verkauf angekündigt worden, um den Schuldenberg aus der
Übernahme des kleineren Konkurrenten debitel zu reduzieren. Und auch, dass noch Gespräche mit mehr als einem Bieter laufen, wiederholt Spoerr immer wieder. Einige Marktbeobachter zweifeln inzwischen daran, dass es noch Interessenten gibt.
United Internet hatte sich bereits im November offiziell aus dem Verkaufsprozess
zurückgezogen. Auch
Vodafone ist dem Vernehmen nach nicht mehr mit von der Partie.
Alice im Fokus von Verkaufsgerüchten
Verkaufsgerüchte könnten sich in nächster Zeit wieder um die Telekom-Italia-Tochter Hansenet/Alice ranken. Anfang Dezember hatte die italienische Mutter
angekündigt, sich von Anteilen trennen zu wollen, die nicht zum Kernfeld des Unternehmens zählen. Dazu zählen Experten auch den Hamburger DSL-Anbieter. Im Frühjahr hatte Telecom Italia einen Verkauf schon einmal ins Auge gefasst.
Provider zeigen Interesse an Kabelnetzbetreibern
Und schließlich sind da noch die
Kabelnetzbetreiber, mit denen sich die teure "letzte Meile", die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) der Deutschen Telekom, umgehen ließe. An diese Unternehmen hat sich aber bislang nur der Düsseldorfer Anbieter Versatel herangewagt. Ein halbes Jahr nach der Übernahme von AKF brachte das Unternehmen kurz vor Weihnachten noch den
Kauf der Essener MediaHome unter Dach und Fach. Dem Mobilfunk-Konzern Vodafone, zu dem bereits der DSL-Anbieter
Arcor gehört, wird außerdem Interesse an
Kabel Deutschland nachgesagt. Offiziell nimmt das Unternehmen dazu nicht Stellung.
Wie sich die Kabelnetzbetreiber im DSL-Geschäft in Zukunft tatsächlich behaupten werden, darüber gehen die Meinungen auseinander. Der Chef der Telekom-Festnetzsparte
T-Home, Timotheus Höttges, rechnet damit, dass diese Anbieter "relativ schnell" auf einen Marktanteil im Breitbandgeschäft von mehr als 10 Prozent kommen können. Der VATM rechnet unterdessen nur mit fünf bis sieben Prozent.