Der Vorschlag der
Deutschen Telekom, den Breitbandausbau in Deutschland nur unter der
Voraussetzung voranzutreiben, dass die Regulierung die Zügel locker lässt, hat zu heftigen Reaktionen beim Wettbewerb geführt. Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten warf den Bonnern am Dienstag gar Bestrebungen zur "Remonopolisierung" vor.
VATM: "Durchschaubare Pläne"
"Wie beim VDSL-Ausbau und dem monatelangen erbitterten Kampf um
Regulierungsferien versucht der Ex-Monopolist erneut im Vorfeld einer Bundestagswahl, politische Zusagen zu erzwingen und die Unabhängigkeit der Bundesnetzagentur auszuhebeln", schimpft VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. Vordergründig ginge es um die Anbindung bisher nicht an das Breitbandnetz angeschlossener Regionen – tatsächlich sei es jedoch Ziel der Telekom, eine "Remonopolisierung insbesondere auf den neuen schnellen Netzen" voranzutreiben.
Der VATM hält die Pläne des rosa Riesen für durchschaubar: Immerhin hätte die Telekom sich jahrelang selbst mit dem Hinweis auf die Unwirtschaftlichkeit um den Ausbau gedrückt. "Schlimmer noch: Dort, wo mittelständische innovative Technologieunternehmen alternative Lösungen voranbrachten, baute die Telekom im direkten Verdrängungswettbewerb gezielt aus", so Grützner. Effizientere Anschlusslösungen per Funk, für die derzeit die Politik
Frequenzen freimacht, würden dadurch torpediert.
"Kuhhandel" zum Vorteil der Telekom
Der VATM plädiert dafür, die Breitbandlücken im Wettbewerb zu schließen. Nach Überzeugung des Verbandes könne auch der künftige Umbau hin zum Next Generation Network (NGN) nur gelingen, wenn alle Unternehmen im Markt weiter investieren können – immerhin: schon seit Jahren würde die Hälfte der Investitionen von Wettbewerbern getragen.
Eine wie von der Telekom vorgeschlagene Zugangsbeschränkung für die Konkurrenten und gleichzeitig höhere Vorpreisproduke und verlängerte Zeiträume für Preisfestsetzungen sei so nicht hinnehmbar. "Das erinnert an sozialistische Fünfjahrespläne und würde jede dynamische Marktentwicklung verhindern", kritisiert Grützner scharf: "Statt Investitionen nach Deutschland zu holen, würden künstlich hohe Vorproduktpreise Investoren abschrecken." Wenn die Preise noch weiter steigen oder künstlich hoch gehalten würden, zahlten letztlich die Wettbewerber die Zeche für den Deal mit der Regierung. Von einem solchen "Kuhhandel" würde demnach alleine die Telekom profitieren.