Das Dresdner Werk des von Insolvenz bedrohten Chipherstellers
Qimonda erhält vom Land Sachsen ein staatliches Hilfspaket von rund 150 Millionen Euro. Dabei handle es sich um ein Darlehen, kündigten Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) und Finanzminister Georg Unland (parteilos) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Dresden an. Eine Pleite des Unternehmens solle damit abgewendet werden.
Halbleiterstandort Sachsen
Hintergrund der Rettungsaktion ist die Furcht vor dramatischen Auswirkungen, die eine Insolvenz des Unternehmens auf den Halbleiterstandort Sachsen mit rund 1.200 Firmen und etwa 40.000 Beschäftigten haben würde. Hoffnungen werden nun in eine hochmoderne Fertigungstechnologie gesetzt, mit der Qimonda im weltweiten Wettbewerb bestehen soll.
"Nur gemeinsam mit dem Eigentümer Infineon ist eine Hilfe für Qimonda möglich", sagte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Er erwarte daher "unmittelbar" eine Antwort auf das "großzügige Angebot" des Freistaates, sagte Tillich der dpa. Der Münchner Halbleiterhersteller Infineon beteiligt sich aber nicht an dem Rettungspaket. Zwar begrüße Infineon die Bereitschaft des Freistaates Sachsen, Qimonda mit einem Darlehen in Höhe von 150 Millionen Euro unterstützen zu wollen, die daran geknüpfte Forderung, als Mehrheitsaktionär ebenfalls einen "unkonditionierten dauerhaften Beitrag in Höhe von 150 Millionen Euro in bar" zu leisten, sei aber nicht erfüllbar, teilte das Unternehmen am Dienstag in München mit.
Die Forderung übersteige bei weitem die Möglichkeiten von Infineon, hieß es weiter. Dies sei in den Verhandlungen mit dem Freistaat auch frühzeitig zum Ausdruck gebracht worden. "Infineon hat trotz der äußerst angespannten Marktlage einen Kredit angeboten in Verbindung mit dem Verkauf eines substanziellen Aktienpaketes an den Freistaat. Wir sind mit dem Angebot an die Grenze der noch vertretbaren Belastungen gegangen", sagte Vorstandschef Peter Bauer laut Mitteilung.
Knapp 1.000 Jobs auf der Kippe
Die weltweite Chipkrise und der Preisverfall hatten zu enormen Verlusten bei der Infineon-Tochter geführt. Als sich kein Investor fand, forderte Infineon zur Abwendung einer Insolvenz von Bund und Land Sachsen rund 500 Millionen Euro Bürgschaften. In dem Unternehmen werden weltweit rund 13.000 Mitarbeiter beschäftigt. Von den derzeit rund 3.000 Stellen in Dresden sollen bis zum Frühjahr 950 wegfallen.
André Vatter
/ dpa