Von Beginn an war die Netzneutralität für das Wachstum des Internets unentbehrlich. Konkret bedeutete dies: Immer gab es eine klare Trennung zwischen Inhaltslieferanten und Distributoren, zwischen Unternehmen wie Google, Microsoft oder auch Amazon und den Providern, die Daten gleichberechtigt und ohne Blick auf die Herkunft zum Kunden übertragen. Doch genau diese Vereinbarung gerät nun immer weiter ins Wanken. Schuld ist die Emanzipation heutiger Netzgrößen – und der maßlose Traffic-Hunger des
Web 2.0.
Radikaler Wechsel bei Google
Goggle brachte mit einem neuen Vorstoß den Steins in Rollen. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, sei der Internetriese in den vergangenen Wochen mit einer konkreten Bitte an die US-amerikanischen Provider und Kabelnetzbetreiber herangetreten: Ob es nicht möglich sei – neben der bestehenden Infrastruktur – eine eigens für Google-Dienste reservierte schnelle Leitung zu mieten. Gegen eine entsprechende Bezahlung, versteht sich. Damit vollzieht sich ein radikaler Wechsel in der Gesinnung der Google-Köpfe.
Provider sind die Verlierer
Die Service-Provider befinden sich seit Jahren in einem Dilemma. Bereits
vor einem Jahr klagten viele von ihnen über hohe Investitionskosten: Jedes Jahr wächst der weltweite Daten-Traffic um rund 50 Prozent, der Ausbau in der Fläche, die Aufrüstung der Netze – das alles kostet Geld, welches in Zeiten des Preisverfalls nicht immer verfügbar ist. Gleichzeitig schauen die Anbieter von
Internetzugängen neidisch auf die vollen Kassen der Inhaltslieferanten. Egal, ob durch Werbung, Dienstleistungen oder den Online-Vetrieb von Produkten: Google, Amazon, eBay und Co. verdienen sich mit riesigen Datenschleudern eine goldene Nase.
MySpace nur im Vodafone-Netz
Nur zu gerne würden die Provider diese Unternehmen in die Pflicht nehmen, doch eine Verletzung der Netzneutralität könnte unvorhersehbare Folgen für das globale Dorf haben: Finanzstarke Internetfirmen könnten sich auf Kosten von Newcomern eine digitale Überholspur zulegen.
Exklusive Verträge mit den Netzbetreibern hätten zudem zur Folge, dass die Nutzer einige Dienste nur noch als Kunde bestimmter Provider in Anspruch nehmen könnten: Die Social Community MySpace gäbe es dann beispielsweise nur im Netz von
Vodafone, wer künftig googeln möchte, muss sich Zugang über
T-Home beschaffen. Noch übler sähe die Lage für neue Netzdienste bei Providern aus, die sowohl den Zugang als auch die Inhalte liefern. Comcast Corp. verfolgt diese Strategie bereits im Kabelfernsehen und AT&T, der größte Breitbandanbieter Nordamerikas, hat erst kürzlich das Clip-Portal VideoCrawler gestartet, mit dem der Druck auf YouTube erhöht werden soll. Ob der eigene Dienst gegenüber dem Konkurrenzangebot priorisiert beim Kunden ankommt, bleibt dabei offen.