Montag, 15.12.2008 10:45

Horrortrip nach Internet-Chat

aus dem Bereich Sonstiges
"Bist so süß" an die "liebe Yvonne": Was nach einem harmlosen Flirt im Internet-Chatroom klingt, ist für eine 14-Jährige aus Nordrhein-Westfalen zum Horrortrip geworden. Ihr Online-Bekannter, ein 53-jähriger Mann, soll die Jugendliche nach dem Chat entführt und vergewaltigt haben. Seit Montag muss sich der arbeitslose Chemiefacharbeiter aus Eigeltingen (Baden-Württemberg) wegen Vergewaltigung und Freiheitsberaubung vor dem Konstanzer Landgericht verantworten.

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Mann bestreitet Vorwürfe

Außerdem soll er Porno-Fotos an eine andere 17-jährige Chat-Partnerin geschickt haben. Der Familienvater von vier Kindern, der sich im Internet als junger, attraktiver Mann ausgegeben hat und unter dem Namen "Bist so süß" auftrat, bestritt die meisten Vorwürfe zum Prozessauftakt.

"Das ist nicht so", sagte er immer wieder, wenn ihn der Vorsitzende Richter Joachim Weimer mit Sätzen aus der Chat-Dokumentation und den Vernehmungsprotokollen konfrontierte. Mehr als einmal rang Weimer um Fassung, wenn der Angeklagte nichts davon wissen wollte, dass er von sich eindeutige Nacktfotos an eine Chat-Partnerin geschickt haben soll. "'Bist Du heiß?' - das soll keine Anmache sein?", entfährt es dem als besonnen geltenden Juristen. "Sie wollten die Frauen so schnell wie möglich in Ihrer Wohnung und in Ihrem Bett haben."

Falsche Identität zugelegt

Das 14 Jahre alte Opfer soll er überredet haben, von zu Hause auszureißen und zu ihm zu ziehen. Das Mädchen hatte im Chatroom von Stress mit den Eltern berichtet. Als er die 14-Jährige am 11. April in der Nähe ihrer Wohnung mit dem Auto abholen wollte, musste sie erschrocken feststellen, dass ihr Chat-Partner ein älterer Mann war. "Sie hatte Angst und wollte wieder nach Hause", sagte Staatsanwalt Heiner Fritze. Der Angeklagte soll sie jedoch ins Auto gedrängt und mit verriegelten Türen Richtung Bodensee gefahren sein. In der Wohnung eines Freundes habe er sich dann zweimal an der völlig verängstigten Minderjährigen vergangen. Das Mädchen konnte aber Kontakt zu seinen Eltern aufnehmen und wurde am Tag darauf von der Polizei befreit.

Missbrauch auch im zweiten Fall

Doch der Angeklagte mit langem graublondem Haar, in der DDR aufgewachsen und seit 2002 arbeitslos, beteuerte immer wieder, er habe im Internet nur Unterhaltung gesucht. Lediglich die Aktfotos gab er zu. Aber er habe nicht die Initiative ergriffen. Die Frauen hätten ihn verführt. Die 17-Jährige wurde als Zeugin gehört und berichtete zur großen Überraschung des Gerichts, dass der 53-Jährige auch sie bei einem Treffen zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe. Anzeige habe sie nicht erstattet. "Ich war geschockt, ich habe mich so geschämt."

Das 14-jährige Opfer sollte am Nachmittag unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen werden. Die Schülerin leidet den Angaben zufolge unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und wird psychologisch behandelt, wie ihre Anwältin am Rande der Verhandlung berichtete.
Hayo Lücke / dpa
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