Freitag, 12.12.2008 19:01

Lycos Europe am Ende – 500 Jobs vor dem Aus

aus dem Bereich Sonstiges
Der Internetportal-Betreiber Lycos Europe ist nach jahrelangen Verlusten am Ende. Die Anteilseigner haben auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in Amsterdam am Freitag den Teilverkauf des Unternehmens beschlossen.

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Teilverkauf beschlossen

Veräußert werden sollen das Domaingeschäft, das Geschäft mit Internet-Shopping sowie das dänische Portalgeschäft, die zusammen zwei Drittel des Umsatzes ausmachen, teilte Lycos Europe mit Sitz in Gütersloh und im niederländischen Haarlem mit. Die übrigen Sparten will das Unternehmen schließen. 500 der rund 700 Beschäftigten verlieren ihre Arbeitsplätze. Hauptaktionäre sind die Konzerne Bertelsmann und Telefónica (Spanien). Über einen Sozialplan und Interessenausgleich für die betroffenen Mitarbeiter werde noch mit dem Betriebsrat verhandelt, sagte eine Lycos-Sprecherin. Die Hauptversammlung beschloss auch die Auszahlung von 50 Millionen Euro an die Aktionäre. Die Barauszahlung sei für den 19. Dezember 2008 geplant. Vor einigen Tagen hatte Lycos Europe bekanntgegeben, mit der Berliner Strato-Gruppe einen neuen Anbieter für seine Kunden gefunden zu haben.

Lycos Europe, zwischenzeitlich das meistbesuchte Internetportal in Europa, war in den elf Jahren seines Bestehens operativ nie längerfristig aus den roten Zahlen herausgekommen. Dank gezielter Teilverkäufe hatte das Unternehmen aber immer wieder Einnahmen erzielt. In den ersten neun Monaten 2008 war ein Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 23 Millionen Euro angefallen – bei einem Umsatz von 46,9 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum waren die Erlöse um 20 Prozent gesunken. Von den Einnahmen aus dem Börsengang im Jahr 2000 in Höhe von 641 Millionen Euro blieben dem Unternehmen noch rund 130 Millionen Euro an liquiden Mitteln.

Kritik von Telefónica

Im Sommer hatte Hauptaktionär Telefónica häufig wechselnde Strategien des Lycos-Managements um Vorstandschef Christoph Mohn, Sohn von Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn, kritisiert und das Geschäftsgebaren vor einem Gericht in Amsterdam überprüfen lassen. Gleichzeitig hatten die Hauptaktionäre bekanntgegeben, das Unternehmen verkaufen zu wollen. Allerdings fanden sie keinen Käufer.
Marcel Petritz / dpa
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