Der direkte Weg zum Endkunden ist im Breitbandgeschäft hart
umkämpft. Die Situation für Internetanbieter hat sich zwar durch die Möglichkeit der Nutzung von
Bitstream-Zugängen ohne notwendigen Telekom-Anschluss verbessert, doch die
DSL-Provider
testen derzeit verschiedene Wege, um möglichst günstig schnelles Internet an die Kunden zu bringen. Selbst große Kabelnetzbetreiber gerieten in den Fokus der Internetprovider.
Vodafone wurde ein Interesse an einer
Übernahme von
Kabel Deutschland nachgesagt.
Versatel interessiert am Kabel
Auch die Düsseldorfer
Versatel AG, einer der wenigen Telekommunikationsanbieter in Deutschland mit großem eigenen Netz, setzt neben der eigenen Infrastruktur verstärkt auf
Kabelnetze. Bereits im Sommer hatte Versatel mit
AFK Telekabel einen Kabelnetzbetreiber der Netzebene 4 übernommen. Diese Betreiber verfügen über einen direkten technischen Zugang zu den Endkunden und sind damit von der Telekom unabhängig. Versatel-Chef Peer Knauer hatte Ende September die
Strategie von Versatel erläutert. Statt weiter eigene Glasfaserleitungen zu verlegen, sei es für Versatel erheblich günstiger, kleinere Kabelnetzbetreiber vor Ort zu übernehmen.
Übernahme von MediaHome
Versatel geht diesen Weg nun konsequent weiter und hat zur Übernahme des Essener Kabelnetzbetreibers MediaHome ein Joint Venture mit der Frankfurter Beteiligungsgesellschaft Life Science gegründet. Versatel wird zunächst 49 Prozent der Anteile an dem auf den Namen Versatel Media GmbH getauften Gemeinschaftsunternehmen halten. Als Option kann Versatel seine Anteile nach drei Jahren auf 100 Prozent aufstocken. Die Finanzierung erfolgte über ein Bankdarlehen und ein Gesellschafterdarlehen der Versatel AG in Höhe von 13 Millionen Euro. Der Aufsichtsrat hat der Übernahme von MediaHome und der Gründung des Joint Ventures bereits zugestimmt, die Zulassung durch die Kartellbehörden steht jedoch noch aus.
Versatel-Kunden erhalten künftig höhere Bandbreiten
Mit MediaHome erhält Versatel weitere 81.000 Kabelkunden. Insgesamt verfügt Versatel damit bereits über 150.000 Kunden, die breitbandige Dienste per Kabel nutzen können. "Für uns ist die Kabeltechnologie die alternative Strategie zu FTTx, weil das Kabel die kosteneffiziente Möglichkeit darstellt, in Zukunft hohe Bandbreiten zu realisieren", so Versatel-Chef Knauer. Das MediaHome-Kabelnetz ist laut Versatel größtenteils deckungsgleich mit der Abdeckung des Versatel-Netzes. Versatel erhofft sich durch Synergieeffekte jährliche Einsparungen von rund zwei Millionen Euro ab 2010. Versatel-Kunden sollen demnächst auch das MediaHome-Kabelnetz nutzen können. Dadurch kämen Kunden von
Versatel in den Genuss von Bandbreiten mit mehr als 20 Megabit pro Sekunde.