Eigentlich könnte René Obermann einmal durchatmen und sich zurücklehnen: Gut zwei Jahre nach seinem Amtsantritt ist die
Deutsche Telekom wirtschaftlich gesehen wieder auf Kurs. Umsatz und Gewinne entsprechen in diesem Jahr den Erwartungen und das schwierige Deutschland-Geschäft bekommt der Vorstandschef allmählich in den Griff. Auch die erste große Übernahme im Ausland, die des griechischen Telekomkonzerns
OTE, hat Obermann erfolgreich gestemmt. Und von der weltweiten Finanzkrise blieb der "Rosa Riese" bislang weitgehend verschont.
Größter Daten-Skandal
Doch Obermann und seine Vorstandskollegen kämpfen verbissen an einer anderen Front: Es geht um
Bespitzelung von Aufsichtsräten und Journalisten und den Diebstahl von
17 Millionen Handydaten. Es ist der bislang größte Skandal beim ehemaligen Staatsmonopolisten.
Dabei hatte Obermann bei seinem
Amtsantritt vor gut zwei Jahren das Ziel ausgegeben, die Telekom zum besten Service-Unternehmen in Europa zu machen. Doch Vertrauen und Image sind ruiniert.
Obermann, der Sanierer. Bild: DTAG
"Wir werden nicht ruhen, bis wir absolute Sicherheit haben, dass solche Dinge sich nicht wiederholen." Der Telekom-Chef wird nicht müde, bei jeder sich bietenden Gelegenheit öffentlich zu beteuern, dass für den Vorstand die Datensicherheit oberste Priorität habe. Inzwischen hat sich die Telekom bei den ihren Kunden für die skandalösen Vorfälle entschuldigt. Auch die betroffenen Journalisten erhielten einen persönlichen Anruf von Obermann.
Tatsächlich sind die Fälle von Bespitzelung und Datenklau kaum an Dreistigkeit zu überbieten. ver.di-Chef
Frank Bsirske, der selber ausgespäht wurde, obwohl er nicht im Aufsichtsrat sitzt, spricht von
"Stasi-Methoden". Ende November wurde eine
weitere Datenpanne bekannt: Mit rund 4.000 Daten von Festnetzkunden der Telekom treiben dubiose Händler offenbar dunkle Geschäfte. Jetzt war allerdings nicht die Telekom der Bösewicht, vielmehr gerieten ihre
Vertriebspartner ins Zwielicht.