Ende November vermeldete das federführende Landeskriminalamt Berlin den Abschluss der bundesweiten Kinderporno-Ermittlungen, die unter dem Namen
Operation Himmel Schlagzeilen gemacht hatten. Über
12.000 Internetsurfer hatten seit 2006 auf kinderpornografisches Material im Internet zugegriffen. Dies zeigt, dass diese schwerwiegende Problematik nach wie vor aktuell ist.
Ministerin fordert Internetsperren
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen war denn auch zeitgleich mit Überlegungen für Internetsperren auf den Plan getreten. Das Bundeskriminalamt hat bereits eine Liste von etwa 1.000 Webseiten zusammengestellt, auf denen sich Angebote mit Kinderpornographie befinden. Die Internetprovider sollen nach Vorstellung von der Leyens spätestens im Sommer 2009 zur Sperrung solcher Seiten gesetzlich verpflichtet werden. "Zufällig" sind nur wenig später auch Bundestagswahlen angesetzt.
Sperren lassen sich leicht umgehen
Nach Ansicht des Dresdner Informatik-Professors Andreas Pfitzmann, der auch die Regierung berät, sind solche Sperrungen jedoch eine unbrauchbare Waffe im Kampf gegen die Eindämmung der Kinderpornographie. Sie seien reine "Symbolpolitik" für die Wähler. Internetsurfer mit einiger Erfahrung könnten solche technischen Hindernisse relativ leicht umgehen. Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" erläuterte Pfitzmann zudem, dass die Webseitenbetreiber ihre Seiten auf einem anderen Server spiegeln oder über einen Proxyserver im Ausland umleiten könnten. Der Natur des Internets entsprechend böten sich immer mehrere Wege, um ans gewünschte Ziel zu kommen. Bereits in den letzten Jahren durchgeführte Sperrungen von IP-Adressen oder Änderungen im Domain Name Service (DNS) hätten gezeigt, dass diese Maßnahmen nur wenig Erfolg bringen. Der Name einer Webseite könne laut Pfitzmann etwa schnell geändert werden, die Sperrung wäre somit ausgehebelt.
Internetprovider müssten draufzahlen
Sperrungen von Webseiten schießen zudem über das Ziel hinaus, da sie die Geschwindigkeit im Netz beeinträchtigten und kaum punktgenau einsetzbar sind. Auf die Internetprovider würden erhebliche Kosten zukommen. Schließlich sollte sich das demokratische Deutschland nicht China mit seiner rigiden Internetzensur zum Vorbild nehmen. Der Ministerin gibt Pfitzmann den Rat stattdessen mehr Geld in den Jugendschutz, etwa für die Jugendämter, zu investieren.