Bereits im Sommer hatten zahlreiche Medien, so auch onlinekosten.de,
berichtet, dass der mit 37 Milliarden Euro hochverschuldete italienische Telekommunikationskonzern Telecom Italia seine deutsche Tochter Hansenet mit der
DSL-Marke
Alice verkaufen will. Damals wurden die Berichte jedoch dementiert, von einem Verkauf könne keine Rede sein.
Alice steht zur Disposition
Die Lage hat sich offenbar nun doch verschärft. Laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) hat Konzernchef Franco Bernabè am Mittwoch auf einer Investorenkonferenz eindeutig Stellung bezogen: "Wir haben gesagt, dass wir uns auf die Märkte Italien und Brasilien konzentrieren wollen. Das heißt, dass alles andere verkauft werden kann". Bernabè erhofft sich von dem radikalen Schnitt Telecom Italia wieder in ruhigeres Fahrwasser lenken zu können. Dennoch würde Telecom Italia die nun in Frage stehenden Unternehmensteile im Wert von rund drei Milliarden Euro in den nächsten drei Jahren nicht zu jedem Preis verkaufen. Zusätzliche Einsparungen will Telecom Italia durch die Entlassung von 4.000 weiteren Angestellten erreichen. Ende September zählte das Unternehmen noch 80.000 Mitarbeiter.
Trennung auch von anderen europäischen Aktivitäten
Bisher hatte Telecom Italia trotz schwelender Gerüchte immer an Hansenet festgehalten. Im September hatte auch Hansenet-Chef Carlos Lambarri bei Fragen zu einem Verkauf von Hansenet noch beharrlich
abgewunken. "Telecom Italia hat erst vor kurzem die Strategie ausgegeben, dass neben dem Heimatmarkt das Auslandsgeschäft der zweite wichtige Pfeiler des Unternehmens ist. Und neben Brasilien ist Deutschland im Ausland der wichtigste Markt". Danach setzte allerdings die globale Finanz- und Wirtschaftskrise mit voller Härte ein und die Unternehmensstrategie von Telecom Italia wurde überarbeitet. Zum Verkauf stehen auch die übrigen europäischen Breitbandgeschäfte der Italiener sowie das auf Geschäftskunden spezialisierte Tochterunternehmen Telecom Italia Sparkle.
Hansenet-Sprecher bestätigt Entscheidung von Telecom Italia

Auf Anfrage von onlinekosten.de bestätigte nun auch der Hansenet-Unternehmenssprecher, dass das Hamburger Unternehmen von Telecom Italia nicht mehr zum Kernbereich der Aktivitäten gezählt werde. Dennoch betonte der Sprecher, dass Hansenet mit Alice wie gewohnt weiter arbeiten werde. "An der Marktstrategie ändert sich nichts. Die Promotions laufen weiter wie bisher", so der Sprecher. "Für 2009 haben wir ehrgeizige Ziele" verkündete er zudem mit einer Prise Zweckoptimismus. Die rund 2,4 Millionen Hansenet-Kunden bräuchten sich erst einmal keine Sorgen zu machen.
"Verkauf nur zur rechten Zeit und an den rechten Käufer"
Als mögliche
Interessenten für einen Kauf von Hansenet hatten sich in den letzten Monaten bereits
United Internet und
Versatel zu Wort gemeldet. Der Chef von Telecom Italia betonte allerdings am Mittwoch, dass sein Konzern nur "zur rechten Zeit und an den rechten Käufer" verkaufen werde. Die sich abzeichnende
Konsolidierung auf dem DSL-Markt scheint durch eine absehbare Übernahme von Alice an Fahrt zuzunehmen. Dennoch ist ein Verkauf keine einfache Sache, wie das Beispiel
freenet zeigt. Seit Monaten versucht der freenet-Chef Eckhard Spoerr sich von der DSL-Sparte zu trennen, bislang allerdings
ohne Erfolg.