Der Bedarf nach schnellem Internet wird immer größer. Internetsurfer wollen in zunehmendem Maße Videos, Musik, Spielfilme und Fernsehen auch über das Internet erleben. Die deutschen Verbraucher werden mit
DSL-Angeboten geködert, die immer höhere Bandbreiten versprechen. Doch um solch schnelle Netze bereitstellen zu können, müssen die Provider zunächst riesige Summen investieren.
Alice startet Feldversuch
Bundesweit buddeln DSL-Provider und Kabelnetzbetreiber derzeit um die Wette, um ihre Netze mit schnellen Glasfaserleitungen auf Hochgeschwindigkeit zu trimmen.
Alice bastelt in Hamburg an seinem bereits länger in Planung befindlichen
Stadtnetz mit einer Bandbreite von 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) hat die Telecom Italia-Tochter für fünf Millionen Euro 50 Häuser mit schnellem Breitband ausgestattet. Ursprünglich war der Netzanschluss von 15.000 Gebäuden geplant gewesen. Ist dieser kleine Feldversuch erfolgreich und zeigt, dass die Kunden wirklich die neuen, aber teureren Angebote annehmen, so will Alice den Ausbau weiter vorantreiben.
Kabel Deutschland hatte in ähnlichen Tests bereits Geschwindigkeiten von
200 Mbit/s erzielt.
50 Milliarden Euro für Glasfaserausbau
Dass schnelle Netze in Deutschland benötigt werden, ist allen Anbietern klar. "Jedes Jahr nimmt das Internetverkehrsvolumen in Deutschland um 60 Prozent zu", erklärt Timotheus Höttges, Chef der Festnetz-Sparte der
Deutschen Telekom. Die Gesamtsumme, die für eine komplette Glasfaserversorgung der deutschen Haushalte investiert werden müsste, läge bei rund 50 Milliarden Euro. Vergleichsweise günstig sei da noch die kleinere Lösung: Werden die Glasfaserkabel nur bis zu den Netzverteilern verlegt, kämen die Telekommunikationsanbieter mit 15 Milliarden Euro Investitionen aus. Doch die Investitionen sollen irgendwann einmal auch wieder als Gewinne zurückfließen. Eine Garantie dafür könne aber derzeit niemand geben. Zumal neben den DSL-Providern die Kabelnetzbetreiber mit ihren modernisierten Kabelnetzen eine konkurrenzfähige DSL-Alternative darstellen würden.
Schlucken DSL-Provider die Kabelnetzbetreiber?
Die großen DSL-Anbieter schauen daher nun genauer auf die großen drei Betreiber der Kabelnetze. Hinter allen drei Unternehmen stecken Finanzinvestoren, die vor allem an guten Geschäften interessiert sind. In der vergangenen Woche kursierten Gerüchte, dass
Vodafone darüber nachdenke, Kabel Deutschland zu
kaufen. Laut "FTD" wolle Vodafone sich derzeit jedoch nur einen Überblick über den deutschen Telekommunikationsmarkt verschaffen und hege keine konkreten Kaufabsichten. Dennoch war die durch die Meldung verursachte Unruhe auf dem DSL-Markt auch an den Börsen spürbar: die Aktienkurse von einigen DSL-Anbietern gaben nach. Marktinsider setzen einen Kaufpreis für alle drei Kabelunternehmen bei rund sieben Milliarden Euro an. Hinzu kämen dann zusätzliche hohe Summen für den weiteren Netzausbau.
Experten gehen davon aus, dass am Ende des Konsolidierungsprozesses nur drei bis vier große Anbieter auf dem Breitband-Markt übrigbleiben.