Das Hamburger Magazin "stern" berichtet in seiner neuen Ausgabe von einem weiteren Datenskandal in erheblichem Ausmaß, mit dem die
Deutsche Telekom zu kämpfen hat.
Mehrere tausend Datensätze
Dem Bericht zufolge verschafften sich dubiose Adresshändler und
Callcenter Zugriff auf Namen, Adressen, Vertragsdaten und Bankverbindungen von mehreren tausend Festnetzkunden. Laut Insidern würden derzeit viele zehntausend streng vertrauliche Kundenprofile auf dem Schwarzmarkt angeboten. Und anders als bei früheren
Datenmissbräuchen bei der Telekom beinhalten die Datensätze diesmal alle Bank- und Geburtsdaten. Einige Kunden hätten sich bereits über illegale Abbuchungen von ihren Konten beschwert.
Die in der Branche kursierenden Datensätze sollen ausschließlich Kunden betreffen, die ihren Festnetz- und Internetanschluss bei der Deutschen Telekom haben. Der Konzern könne sich die Herkunft allerdings nicht erklären und will Anzeige erstatten. Sicherheitschef Volker Wagner meinte aber zum "stern", es handle sich nicht um Original-Listen aus einem Telekom-System. Die Vermutung sei, dass Adresshändler oder Callcenter Telekom-Listen mit Informationen aus anderen Quellen angereichert haben. Die Datensätze würden illegal von Vertriebsfirmen genutzt und dutzende Telekom-Kunden berichteten, sie waren penetranter Werbung ausgesetzt oder erhielten gefälschte Auftragspost von Internet-Firmen, Versicherungen und Glücksspiel-Anbietern.
Mitverantwortung bei Konzernspitze
Zwischen Jahresbeginn und Spätsommer 2007 warb die Telekom massiv für seine neuen Internet-Tarife. Damals setzte das Unternehmen verstärkt externe Vertriebsfirmen ein, die Kundenlisten ohne Bankkontakte zum Abtelefonieren bekamen. Tausende Callcenter-Agenten wären dann unkontrolliert im Namen der Telekom aufgetreten und hätten im Zuge der Auftragswerbung bei den Kunden weitere Angaben wie Bankkontakte abgefragt, berichtet der "stern" weiter. Ab August 2007 konnten diese Daten von Vertriebsfirmen zudem in einem Telekom-System abgeglichen werden.
Erst zu Anfang Oktober 2007 beendete die Telekom die Zusammenarbeit mit vielen kleinen Vertriebspartnern, nachdem intern aufgefallen war, dass einige unseriös arbeiteten.